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Volume Heft 9/10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 41.2007 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 1006 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 9/10 Die Bibliotheken der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg bis in 1960er Jahre Die Büchersammlungen an den ursprünglichen Lehrerseminaren und anderen Lehrerbildungsanstalten waren ohne Zweifel sehr bescheiden. Aufgrund der schulmäßigen Ausbildung der Lehrer, die in der Regel aus einfachen Verhältnissen stammten (Zugangsvoraussetzung war der Volksschulabschluss), und der über- schaubaren Größe der einrichtungen, die meist nur einige Dutzend Seminaristen hatten, war der Bücherbedarf bis in das frühe 20. Jahrhundert verhältnismäßig gering gewesen: „in wenigen handbüchern und kompendien war die Schulsache als Sache ausgemacht und der Lehrer konnte mit einem geringen kompendien- wissen über alles etwas sagen“32. Mit dem gestiegenen Niveau der Volksschulleh- rerausbildung seit den 1920er Jahren und langsam wachsenden Anwärterzahlen stieg auch der Bücherbedarf kontinuierlich an. Durch die Umwandlung der hochschulen für Lehrerbildung hfL in die seminar- artigen Lehrerbildungsanstalten LBA ab 1941, zeitweilige Schließungen während des krieges und andere Faktoren befanden sich die Büchersammlungen bzw. Bibliotheken der zur Lehrerbildung bestimmten institutionen nach dem krieg in einem desolaten Zustand. Bis in die ausgehenden 1950er Jahre hatte sich diese Situation nicht einschnei- dend verbessert. Dies geht aus einer Bestandsaufnahme für das pädagogische Bibliothekswesen der Bundesrepublik hervor, die auch die Pädagogischen hoch- schulen und ihre Vorgängereinrichtungen mit einschließt: „Die Büchersammlungen [der pädagogischen Bibliotheken, Anm. d. Verf.] sind vielfach ein torso, in dem der Zufall regiert. Umfang und eigenart des Schrifttums der praktischen Schularbeit machen heillose Lücken und unan- genehme Überraschungen unvermeidlich, solange es nicht zu einer vernünf- tigen Arbeitsteilung untereinander kommt. Die Alphabetischen kataloge genügen selten normalen Ansprüchen. An ihre Stelle treten Notbehelfe. Mit den Systematischen katalogen steht es noch schlimmer. Die personellen Be- dingungen sind trostlos. Der idealistische Aufwand an gutem Willen und an Fleiß entspricht selten dem effekt, solange die Laienbibliothekare ganz auf sich gestellt sind und ihnen eine einführung in Zusammenhang und technik ihrer Bibliothek fehlt. in den meisten deutschen Ländern verfügt das päda- gogische Bibliothekswesen bislang über keinen einzigen wissenschaftlich voll ausgebildeten Bibliothekar. Bei Berufung der Dozenten an Pädagogische hochschulen wird die Betreuung der Bibliotheken dieser hochschulen nicht berücksichtigt, als bedürfe es für diese Aufgabe keiner besonderen Qualifi- kation. Und die wenigen Fachkräfte des mittleren Dienstes, über die einige 32 koch: Die Bibliotheken an Pädagogischen hochschulen, a.a.o., S. 7.
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