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Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

NOTIZEN Das Museum Das über eine gläserne Fußgängerbrücke mit der Bibliothek verbundene Mu- seum betreten Besuchergruppen gleichfalls durch eine Glas-Rotunda. Hier steht das Leben und Wirken von ,,Honest Abe", wie Lincoln im Volksmund noch immer anerkennend genannt wird, im Mittelpunkt der Darbietung, die keinesfalls museal sein will, sondern auf modernste Informationstechnologie setzt und auch denjenigen Besuchern, die sich nur noch von PC-Instal- lationen und Videopräsentationen anturnen lassen, etwas bieten will. Zur Ein- führung erhalten Besucher ein Video über Lincolns Leben vorgestellt, der mit rauchenden Kanonen und einem Soundtrack, der die 250 Sitze des Theaters zum Rütteln bringt, die Zuschauer packen soll. Die Show ,,Ghosts of the libra- ry", die ein Schauspieler live begleitet, blendet Holographien ein, die Lincoln fast wie lebensecht in verschiedenen Szenen zeigen. Die eigentliche Ausstel- lung bietet nachgestellte Ereignisse mit lebensgroßen Latexpuppen, die Kin- derabteilung ,,Mrs. Lincoln's Dachboden" will die Jüngsten spielend in das Alltagsleben vor 150 Jahren einführen, und auf Fernsehschirmen werden, nachgedreht mit Schauspielern, Kurzszenen aus den politischen Debatten des Jahres 1860 dargeboten. Doch auch historische Dokumente bekommt der Zuschauer zu sehen: z.B. den handschriftlichen Entwurf der ,,Gettysburg Address" und eine von Lincoln unterzeichnete Abschrift der Proklamation über die Sklavenbefreiung. Beim Anblick dieser Dokumente, sagt Direktor Ri- chard N. Smith, stehen manchen Besuchern die Tränen in den Augen. Da das heutige Publikum wenig an historischen Kenntnissen mitbringt, zielen die Dar- bietungen bewusst auf den Showeffekt. Man will Geschichte erfahrbar ma- chen, will weniger bilden sondern unterhalten und dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, er wäre fast dabei gewesen. Während die meisten Kommentatoren von der Eröffnungsfeier und dem Kon- zept des Museums angetan waren, konnten andere sich kritische Anmerkun- gen nicht versagen. Man befand den flachen Gebäudekomplex mit seinen An- spielungen an klassische Vorbilder architektonisch enttäuschend. Die beiden sich sehr ähnelnden Bauten riefen bei einigen Assoziationen an ein Mauso- leum wach, was ihnen als Stätte der Erinnerung an Amerikas größten Präsi- denten nicht überzeugend erschien. Auch die Präsentation im Inneren des Gebäudes gefiel manchen nicht, einige Berichterstatter sprachen von Disney- fizierung und von ,,Lincolnland" und fanden die von einem kommerziellen Me- dienunternehmen gestaltete Show einfach banal. Man habe zu sehr auf Lin- colns Glorifizierung gesetzt und die kritische Auseinandersetzung mit der Per- son wie seiner Amtsführung gemieden, obgleich Themen wie Bürgerkrieg und Sklavenbefreiung zu größerer Differenzierung einladen. Die allgemeine Reso- nanz war jedoch positiv, und so setzen Bürgermeister und Gouverneur opti- mistisch darauf, dass sich Bibliothek wie Museum zu einem Publikumsmag- 818 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 6
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