Path:
Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

THEMEN 80 Jahre National Library of Scotland Gernot U. Gabel Als Königin Elisabeth I. nach 45-jähriger Regierungszeit im Alter von 70 Jahren starb und ihr Neffe James, seit 1567 König von Schottland, ab 1603 als König James I. in Personalunion auch die englische Krone trug, begann für die bei- den Völker, die sich oftmals bekriegt hatten, ein Jahrhundert gemeinsamer Regierungszeit, die 1707 mit dem ,,Act of Union" rechtlich ihre formale Bestä- tigung erfuhr. Auf englischen Druck musste Schottland seine politische Unab- hängigkeit aufgeben und verlor auch sein Parlament, konnte aber sein eigenes Rechts- und Gerichtssystem bewahren. In Schottland war die öffentliche Mei- nung gegen diesen Vertrag eingestellt, und in den folgenden Jahrzehnten kam es sogar zu militärischen Revolten, die aber alle fehlschlugen und englische Repressalien auslösten, was eine verstärkte Auswanderung schottischer Ein- wohner in die neuen überseeischen Kolonien Großbritanniens zur Folge hatte. Unter den Schotten war seither die politische ,,Zwangsehe" mit den Englän- dern ein kontrovers diskutiertes Thema, das erst mit den von Premierminister Tony Blair eingeleiteten Reformen, die im ,,Scotland Act" (1998) gebündelt wurden und eine begrenzte Selbstverwaltung sowie ein (regionales) Parlament in Edinburgh etablierten, einen (vielleicht nur vorläufigen) Endpunkt gefunden hat, denn nicht wenige in der schottischen Bevölkerung plädieren auch heute noch für die nationale Unabhängigkeit ihres Landes. Bibliotheksgeschichtlicher Rückblick Auf dem Bibliothekssektor hat das Streben nach nationaler Eigenständigkeit schon vor den Reformmaßnahmen der heutigen Labour-Regierung seine Erfüllung gefunden. Bereits 1925 stimmte das britische Parlament in London einem Gesetzentwurf zu, der die Gründung einer Bibliothek für den Landesteil Schottland vorsah. Vorausgegangen war dieser Gesetzesinitiative das Ange- bot der Anwaltskammer von Edinburgh, die von ihr zusammengetragene his- torische Büchersammlung, die seit dem Jahre 1689 existierte, der Nation zu übereignen. Dieser Bibliothek der ,,Faculty of Advocates" war bereits 1710, als Queen Anne einer Neufassung des Copyright Law zustimmte, das Recht ver- liehen worden, von jedem im Vereinigten Königreich gedruckten Buch ein Ex- emplar einzufordern. Durch Geschenke und gezielte Ankäufe auch nichtjuristi- scher Titel, insbesondere auf den Gebieten Geschichte, Theologie und euro- päische Literatur, entwickelte sich die Sammlung in den folgenden Jahrhun- derten zu einer universalen Bibliothek. Zu den aus der schottischen Anwaltschaft gewählten Kuratoren der Bibliothek gehörte zeitweilig auch Wal- ter Scott, und als Bibliothekar ließ sich sogar David Hume verpflichten. Doch BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 4 463
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.