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Volume Heft 3

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue39.2005 (Rights reserved)

Digitale Bibliothek THEMEN Die selbstgestellte Aufgabe, eine Enzyklopädie zu erstellen, misst sich weni- ger an herkömmlichen Standardwerken wie dem Brockhaus und der Encyc- lopædia Britannica ­ die natürlich dennoch gerne für einen Vergleich herange- zogen werden ­ ,sondern am Anspruch, das gesamte Wissen der Menschheit zu sammeln. Im Gegensatz zu den traditionellen Wissenssammlungen und Enzyklopädien geschieht dies konsequent als Hypermedia. Als moderne Vor- läufer werden deshalb Vannevar Bushs Memex (1945) und Ted Nelsons Xa- nadu-Projekt (1960) genannt. Ein fast schon in Vergessenheit geratenes Pro- jekt aus dem dokumentarischen Bereich sind die Arbeiten Paul Otlets am Répertoire bibliographique universel 9 für das Office International de Bibliogra- phie, dessen Visionen der Wikipedia erstaunlich nahe kommen. Als direkter Vorgänger der Wikipedia ist die Nupedia zu nennen, in der die Qualität der einzelnen von Wissenschaftlern freiwillig erstellten Artikel in einem aufwändigen Peer-Review-Prozess sichergestellt werden sollte. Da dies rela- tiv schleppend voranging, gab es die Idee, die schon damals unter der GFDL stehende Nupedia durch einen offeneren Bereich zu ergänzen. Anfang Januar mit dem Konzept eines Wiki vertraut gemacht setzte Larry Sanger, der dama- lige Chefeditor von Nupedia und Angesteller von Bomis, Inc. dafür am 15. Ja- nuar die darauf basierende Wikipedia ins Leben. Diese entwickelte sich bald ungleich besser als die Nupedia selbst: bereits nach einem Monat konnten mehr als 1000 und Anfang September mehr als 10.000 Artikel verzeichnet werden. 2004 hat das Projekt die Millionen-Artikel-Marke überschritten. Dabei machen der englischsprachige Teil nur etwa die Hälfte aus, da die Wikipedia auf viele unabhängige Sprachversionen ausgeweitet worden ist, die jeweils miteinander verbunden sind. Gemeinschaftliches Arbeiten Ende Juni 2003 wurde die Wikimedia Foundation als Stiftung nach dem Recht des US-Bundesstaats Florida gegründet. Sie wahrt die Namensrechte und betreibt die Server, auf denen die verschiedenen Wikimedia-Projekte laufen. Als Deutsche Schwesterorganisation folgte ein Jahr später der als gemeinnüt- zig anerkannte Verein Wikimedia Deutschland ­ Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. Die Organisationen nehmen keinen nennenswerten Ein- fluss auf die Inhalte, sondern kümmern sich vor allem um organisatorische Aufgaben wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Sammeln von Spenden und Fördergeldern. Die anlaufenden Kosten für den Betrieb der Ser- ver (inzwischen mehr als 250 Euro pro Tag) werden ausschließlich durch 9 Rayward, W. Boyd: Visions of Xanadu: Paul Otlet (1868-1944) and Hypertext. In: Journal of the American Society of Information Science (45:4), S. 235­250 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 3 349
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