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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

Bibliotheken THEMEN Andererseits liegt ein Teil dieses höchst konservativen Berufsbildes in dem eingangs erwähnten Zerreißprozess, weil ja nicht nur die Laien, sondern auch die konservativen Bibliothekare das Buch als Kulturgut noch immer gern in den Mittepunkt stellten. Darum werden Bibliothekare oft auch mit Bibliophilen verwechselt, obwohl Bibliophile bekanntlich eine so enge Beziehung zur Lite- ratur haben, wie der Briefmarkensammler zur Geographie ­ wenig. GPS für die verteilte Bibliothek Die Tatsache, dass Bibliographien und Kataloge als Datenbanken über das Internet weltweit verfügbar sind und darüber hinaus auch von jedem Standort aus gepflegt werden können, schafft die Möglichkeit, dass der Verbleib der Informationsmedien jederzeit kontrolliert und neuen Gegebenheiten angepasst werden kann. So ist es heute durchaus möglich, ein Buch über beliebige Standorte von Minute zu Minute zu überwachen. Sein Standort könnte über das vorhandene Global Positioning System (GPS) exakt verortet wer- den.15 Das sind Aspekte, die den Gedanken einer modernen verteilten Biblio- thek eröffnen, bei der die Dokumente nicht mehr an möglichst einem zentra- len Ort stehen, sondern dort, wo sie gerade ihre Leser finden. Die Erweiterung von Katalogisaten durch ein Feld mit GPS-Koordinaten wäre leicht möglich. Zur Erschließung des Unsinns Es ist die gemeinsame Aufgabe der Bibliographien und Kataloge, die Medien in Bibliotheken so zu erschließen und zu klassieren, dass jeder Leser sein Buch findet, wie es in Ranganathans drittem Gesetz der Bibliothekswissen- schaft von 1931 heißt. Dazu gehört weitaus häufiger, dass die Bibliotheksnut- zer alles ausschließen können was sie nicht brauchen und insofern all das, was für sie momentan keinen Sinn hat, oder wie man heute in Anlehnung ang- loamerikanischen Denkens zu sagen pflegt, keinen Sinn macht. Ob ein Buch einen bestimmten Sinn hat, ob es ihn macht oder die Leser ihm diesen geben, ist sicher eine interessante Frage. In Goethes Faust heißt es, ,,du gleichst dem Geist, den du begreifst", und bei Lichtenberg ist ein Buch ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hinein- blickt. Mit anderen Worten, je weniger wir wissen, desto unsinniger erschei- nen uns Bibliotheken, bis wir dort auf die Medien treffen die wir verstehen. Ob uns ein Buch sinnvoll oder unsinnig erscheint ist eine Frage unserer angebo- renen Intelligenz, und dessen, was wir inzwischen dazu gelernt haben. Es ist also bei weitem nicht alles unsinnig, was uns nicht auf Anhieb sinnvoll er- 15 Einführung in die Katalogkunde S. 65 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 11 1449
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