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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Bibliotheken Man sollte dabei zwar nicht vergessen, dass es ein wichtiges Charakteristi- kum von Wissen ist, dass jede Generation dieses neu erwerben muss, dass es aber immer verheerende Folgen hatte, wenn eine neue Generation glaubte auf das erworbene Wissen der Vorfahren verzichten zu können. Schon allein die alte und heute höchst virulente Frage danach, was es bedeutet, eine bib- liographische Kontrolle im Sinne der UNESCO und der IFLA über die zu erfas- senden ,,Werke" dieser Menschheit zu gewinnen, ist ohne die Kenntnis der 5 Evolution des Bibliothekswesens nicht möglich. Die Überlegungen Wilsons (1928­2003) im Zusammenhang mit dem Dokumentbegriff sind eine bleibende Basis für die Diskussion über die notwendige oder auch obsolete Abgrenzung des bibliographischen Universums vom ,,Universum der Musik-Stücke, Land- karten und Bilder". Information und Wissen Hier taucht auch die Frage der ,,unit of information" auf, wobei allerdings Wil- son mit Bezug auf Websters Synonymen-Lexikon von 1951 sich noch nicht auf die Informationstheorie von 1949 stellt,6 wenn er Information im Sinne ei- ner Bedeutung tragenden Aussage oder sogar mit einem Wahrheitsanspruch im Sinne eines Wissens versieht. Das vernachlässigt nicht nur die fundamentale Erkenntnis der Informationstheorie, dass Information mit Bedeutung (Semiotik) nicht verwechselt werden darf, es verkennt auch, dass Computer erfahrungsgemäß seit Jahrzehnten jede Information, gleichgültig ob sie sinnvoll oder unsinnig ist, verarbeiten. Semiotik wird erst auf dieser Grundlage der Informationstheorie mit Hilfe von Thesauri oder Ontologien verständlich. Dass die Wissensebene, die die Informations- und die Bedeutungsebene voraussetzt, auf weitaus höherer Ebene liegt, geht damit bei Wilson und allen entsprechenden Vorstellungen völlig verloren. Wissen beinhaltet innere Modelle und Theorien über die reale Welt, was für die meisten anderen Informationen gar nicht zutrifft. In neuerer Zeit hat sich auch Matthews mit der Frage des Wertes bzw. Mehr- wertes, den eine Bibliothek durch ihren Katalog erzeugt, beschäftigt. Dabei verwendet er den Begriff Information ebenso unscharf wie Wilson als "data (numeric and text) that is organized and imbued with purpose or intelligence resulting from the assembly, analysis or summary of data into a meaningful 5 Wilson, P.G.: Two Kinds of Power: An Essay on Biographical Control. Univ. Califor- nia Press, 1968) 6 Shannon, C.E. and Weaver, W.: Mathematical Theory of Communication. Univ. Illi- nois Press (1949) 1446 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 11
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