Path:
Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Ausland Bibliothek des "Séminaire Israélite de France" wiedereröffnet Gernot U. Gabel Das ,,Séminaire Israélite de France", die einzige Ausbildungsstätte für Rabbi- ner in Frankreich, hat vor einigen Monaten seine Bibliothek wieder der Öffent- lichkeit zugänglich gemacht. Nachdem die Bände jahrelang in einem unge- heizten und feuchten Raum gelagert worden waren, steht die Kollektion, dank der Unterstützung namhafter Geldgeber, aufgearbeitet und in einem moder- nen und mit Klimatechnik ausgestatteten Saal den Benutzern erneut zur Ver- fügung. Die Ursprünge dieser Sammlung lassen sich bis in das frühe 18. Jahrhundert zurück verfolgen. Im Januar 1704 gründete das jüdische Ehepaar Abraham und Agathe Schwab in Metz eine Schule für das Studium des Talmud (Yeshi- bah) und stattete diese mit einem Gebäude sowie einem beträchtlichen Kapi- talstock in Höhe von 6.000 ,,livres écus" aus. Die Schule konnte ihren Betrieb bis in die Revolutionszeit aufrecht erhalten, musste aber im Schreckensjahr 1793 schließen. 1819 nahm diese Einrichtung mit modernisiertem Lehrplan und aufgewertet zur Rabbiner-Schule erneut den Unterricht auf. Die Zahl der Schüler war auf acht beschränkt und der Lehrplan schrieb neben dem religiö- sen Unterricht auch Kurse in der französischen Sprache und in Mathematik vor. Zugleich setzten im Leitungsgremium Überlegungen ein, die Schule zur zentralen Ausbildungsstätte für Rabbiner im Lande zu erheben. Nach mehrjährigen Verhandlungen stimmte das zuständige Ministerium mit Dekret vom August 1829 der Umwandlung zu und legte als neuen Namen ,,École Centrale Rabbinique de Metz" fest. Im Juni 1830 nahm die nun staatlich lizenzierte Rabbiner-Schule als erste dieses Typs in Westeuropa ihren Lehrbetrieb auf. Die Unterhaltskosten wurden von allen jüdischen Gemeinden Frankreichs gemeinsam getragen. Ein Jahr später willigte die Regierung des neu installierten ,,Bürgerkönigs" Louis Philippe ein, der Schule eine jährliche Unterhalts-zahlung zu leisten und die Zöglinge vom Militärdienst freizustellen. Der Trend zur Konzentrierung wichtiger Einrichtungen in der französischen Landeshauptstadt erfasste im Zweiten Kaiserreich auch die Ausbildungsstätte für Rabbiner. Mit Dekret vom Juli 1859, das die Unterschrift von Kaiserin Eu- genie trägt (Kaiser Napoléon III. weilte in Italien), wurde die Schule von Metz nach Paris verlegt; sie hieß fortan ,,Séminaire Israélite de France" (SIF) und erhielt vom Staat einen beträchtlichen Zuschuss zu den jährlichen Unterhalts- kosten. Anfangs in angemieteten Räumen untergebracht, konnte die Schule, dank einer generösen Privatstiftung, ein Grundstück in der Rue Vauquelin im 1438 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 11
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.