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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Ausland scher und Missionare beschränkt gewesen. Die christlich inspirierte Arbeit wurde hier seit 1972 durch den Cimi (Conselho indigenista missionário), ver- bunden mit der brasilianischen Bischofskonferenz CNBB (Conferência Nacio- 63 nal dos Bispos do Brasil) koordiniert. Nach der früheren paternalistischen, vor allem auf Religionsvermittlung zentrierten Arbeit vieler Missionare ist in den letzten Jahren zumindest bei einigen Akteuren ein positives Eingehen auf die eigenen kulturellen Traditionen der Stämme zu beobachten. Auch deut- sche evangelische Gruppen sind in Projekten aktiv, wie das Evangelisch- 64 lutherische Missionswerk in Niedersachsen. In einzelnen Bundesstaaten, die aus historischen Gründen eine noch starke indianische Bevölkerung aufwei- sen, wie z.B. in Acre, kümmert sich auch das Erziehungsministerium um ent- sprechende Alphabetisierungs- und Schulprojekte. Acre wurde erst 1903 durch vertragliche Regelung aus ehemals bolivianischem und peruanischem Gebiet nach einer kurzzeitigen Unabhängigkeit Brasilien angeschlossen und vor allem durch den Kautschukboom gegen Ende des 19. Jahrhunderts und eine damit verbundene Einwanderung erstmals weitergehend erschlossen. Dies erfolgte natürlich auf Kosten der Indianerstämme, erst heute hat sich die Regierung in Erziehungsprojekten mit den verbliebenen Indianern beschäftigt. Mangels indigenen Personals blieben einige Pädagogen hier in mehrjährigen Projekten bei den Indianern, auch um zuerst die Sprache zu erlernen. Mittel- fristiges Ziel ist hierbei, dass durch die Ausbildung indigener Lehrer und die Bereitstellung von Büchern die kulturellen Traditionen auch von Mitgliedern der indigenen Stämme selbst bewahrt und weitergegeben werden. Dies erfor- dert natürlich, dass zuerst die Sprachen selbst linguistisch erfasst und doku- mentiert werden (die ersten Kulina-Grammatiken wurden beispielsweise erst von den Missionaren vor wenigen Jahren selbst verfasst, zahlreiche Sprachen des an indigenen Völkern reichen Amazonas-Gebiets sind bis heute nicht aus- reichend wissenschaftlich dokumentiert) und die Indianer an europäische So- zialpraktiken herangeführt werden (Tausch von Produkten gegen Geld). In weiteren Schritten können dann von den Projektteilnehmern die Sprachen mit Hilfe von Linguisten verschriftlicht werden, soweit sie dies noch nicht sind, und erste Lehrbücher für den Unterricht in der Schrift erstellt werden. Schließ- lich sollen geeignete, zweisprachige Mitglieder der Stämme die Funktion von Lehrern erfüllen und den Kindern und auch Erwachsenen die Schrift und Lek- 63 http://www.cimi.org.br/ SDS, Edifício Venâncio III, salas 309/314, Brasília 64 http://www.elm-mission.net/deutsch/data/brasilien/pro812.pdf Das Institut unter- stützt die Arbeit von Pastor Walther Sass bei den Kulina und Deni-Indianern des oberen Amazonas. Walther Sass hat auch ein Buch über die Mythen der Deni- Indianer in ihrer Sprache (Ima bute denikha, Mitos Deni, São Leopoldo 2004) und auch Lehrbücher für den Schulunterricht herausgegeben. 1436 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 11
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