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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Ausland dem ehemals portugiesischen Macau) ein Pflichtexemplarrecht der Werke portugiesischer Autoren. Die Bibliothek in Rio verfügt deshalb auch über die nach eigener Darstellung größte Sammlung portugiesischer Autoren außer- halb des Mutterlands und durch Schenkungen einen reichen Altbestand. Bü- cher ab 1950 werden an die Nutzer nach Hause ausgeliehen, der Altbestand kann vor Ort eingesehen werden. Heute ist auch ein Forschungszentrum zu den brasilianisch-portugiesischen Beziehungen und mit Hilfe der portugiesi- 9 schen Stiftung Fundação Calouste Gulbenkian in einem durch die Stiftung modernisierten, anliegenden Gebäude eine Sammlung von Videos, Filmen, CD-Roms und Tonträgern angegliedert. Der historische Ursprung war, wie der Name noch heute verrät, eine Art ­ 1837 von 43 portugiesischen Emigranten privat gegründete ­ Lesegesell- schaft, ähnlich solchen europäischen Institutionen der bürgerlichen Schicht im 19. Jahrhundert. Damals konnte wertvoller Altbestand im Buchhandel oder als Geschenk der ersten Mitglieder erworben werden. Nach dem Vorbild von Rio wurden später ähnliche, aber nicht so gut ausgestattete Institutionen in Recife (1850) und Salvador (1863) gegründet. Die analoge Institution in Recife be- steht aus einer kleinen Lesehalle im Zentrum der Stadt, in der auch der histo- rische Altbestand, hier überwiegend Gebrauchsliteratur des 19. Jahrhunderts, in einem Lesesaal untergebracht ist. Vorbild dieses Bibliothekstyps mögen in Brasilien auch die in Frankreich nach der Revolution entstandenen "boutiques à lire" gewesen sein, Gründer waren zu Anfang die Schicht der reichen Händ- ler Rios. Im Jahr 1900 wurde das Gabinete Português de Leitura zu einer öf- fentlichen Bibliothek, 1903 der erste vollständige Katalog erstellt. Der Begriff ,,Real" wurde der Bibliothek in Rio als Ehrenbezeichnung vom portugiesischen König erst 1906 verliehen. Die Bibliothek veranstaltete Ausstellungen, organi- sierte Kongresse zu den portugiesisch-brasilianischen Beziehungen und gab auch eine monumentale História da Colonização Portuguesa do Brasil, unter der Federführung von Carlos Malheiro Dias u.a. heraus. In den vierziger Jah- ren wurde ein angeschlossenes Instituto de Alta Cultura gegründet. Trotz des Pflichtexemplarrechts von portugiesischer Seite seit 1935 folgten finanziell schwierige Jahre für die Institution, die heute von staatlicher Seite in Portugal und auch von mehreren Stiftungen und Banken unterstützt wird. Die Schaf- fung eines Forschungszentrums 1969 (Centro de estudos) mit Vorträgen schuf 9 http://www.gulbenkian.pt/home.asp Der armenische Ölmillionär und Philantrop Calouste Sarkis Gulbenkian (1869­1955) hat der nach ihm benannten Stiftung in Lissabon seine Kunstsammlung und einen Großteil seines Vermögens bereitgestellt. Sie fördert Forschungsprojekte, vergibt Stipendien an Studenten und unterstützt In- stitutionen in aller Welt. 1416 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 11
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