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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 39.2005 (Rights reserved)

NOTIZEN also klassisch schulbibliothekarische Zielsetzungen. Wenig erfreulich fiel Dan- kerts Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation aus: ,,Die Qualitäts- vorgaben der UNESCO für Schulbibliotheken ­ gesetzliche Grundlage, professionelle Leitung, Einbindung in das pädagogische Programm und ein Mindestniveau der Ausstattung ­ sind in der Bundesrepublik zum Großteil Utopie." Ein Grund hierfür sei die föderale Struktur, die dazu führe, dass die einzelnen Bundesländer und Kommunen auf dem Gebiet schulbibliothekari- scher Arbeit weitgehend isoliert agierten. Allein die Empfehlungen der Kultus- ministerkonferenz seien für eine gemeinsame Systembildung unzureichend. Doch nicht nur mangelnde Vernetzung wurde beklagt, hinzu kamen noch er- nüchternde Zahlen: Nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der deutschen Schu- len verfügten über eine kontinuierlich geführte Bibliothek oder professionelle schulbibliothekarische Angebote. In auffälligem Gegensatz hierzu profitiere etwa PISA-Sieger Finnland von einem sehr dichten Netz an Bibliotheken mit schulbibliothekarischem Auftrag. Auch Dänemark habe ein spezielles Schul- bibliotheksgesetz, das die Nutzung der Schulbibliothek in den Lehrplan integ- riere und für Lehrer bibliothekarische Zusatzqualifikationen vorsehe. Als posi- tiven Ausblick hierzulande verwies Dankert auf Projekte wie das Portal www.schulmediothek.de sowie auf den angestrebten Ausbau der Ganztags- betreuung. Dieser öffne die Schulen für neue Lehr- und Lernformen auch schulbibliothekarischer Art. Nun gelte es, aktuelle politische Prozesse wie die Föderalismusdebatte, das Integrationsmodell des Zuwanderungsgesetzes und die Urheberrechtsreform entsprechend ihrer Bedeutung für die schulbib- liothekarische Entwicklung zu beeinflussen. Die organisatorischen Rahmenbedingungen bibliothekarischer Arbeit waren Gegenstand des Forums ,,Neue Betriebsformen". Am Beispiel der Stadtbiblio- thek Darmstadt, die seit 2003 Teil des Eigenbetriebs ,,Kulturinstitute der Wis- senschaftsstadt Darmstadt" ist, wurden erste Erfahrungen mit dieser Gestal- tungsform erörtert. Die Umwandlung in ein Sondervermögen bringe für die Bibliothek nicht unerhebliche Mehrarbeit im Verwaltungsbereich mit sich, war zu erfahren, jedoch auch mehr Transparenz. Ob die Bibliothek nun tatsächlich selbständiger arbeiten und wirtschaften kann, womit die Reform im Vorfeld beworben worden war, blieb indes offen. Insgesamt, so die Bilanz, überwiege momentan noch die Suche nach geeigneten Lösungskonzepten im administ- rativen Bereich. Letzter Programmpunkt vor dem Ausklingen des Tages bei Jazz und Schnitt- chen war die Verleihung des 8. Hessischen Bibliothekspreises. Der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem hessischen Landes- verband des DBV gemeinsam ausgelobte Preis ging in diesem Jahr an die Stadtbibliothek Offenbach. Diese überzeugte die Jury durch ihr außerordent- lich benutzerorientiertes Gesamtkonzept. Die starke Einbindung in das kultu- BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 10 1313
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