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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Ausland dungsprogramm geeinigt. Im Rückblick gelten die beiden ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts als die Pionierzeit der amerikanischen Kinderbiblio- theken. Mit diesen Erfahrungen aus der amerikanischen Praxis gingen die zumeist weiblichen Mitarbeiter des ,,Book Committee" an ihre neue Aufgabe heran. Unter Leitung von Mrs. Caroline Griffiths, der Vorsitzenden des ,,Book Com- mittee", unterbreitete man dem Bürgermeister von Brüssel ein Angebot, dort eine Kinderbücherei einzurichten. Unterstützt vom amerikanischen Botschaf- ter in Belgien, Brand Whitlock, kam ein Vertrag zustande, nach dem die Stadt Brüssel die Räumlichkeit und das ,,Book Committee" die Einrichtung sowie die Büchersammlung bereitzustellen hatte. Im September 1920 öffnete die ,,L'Heure Joyeuse" (freudvolle Stunde) getaufte Bücherei ihre Pforten mit ei- nem Buchbestand von ca. 1.000 Bänden. Zwei junge belgische Bibliotheka- rinnen, die zuvor von amerikanischen Kolleginnen in die Bibliotheksarbeit mit Kindern eingeführt worden waren, übernahmen die Leitung der neuen Einrich- tung. Noch in den 1920er Jahren wurden drei und bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vier weitere Kinderbüchereien in Brüssel eröffnet, die alle nach den gleichen Prinzipien organisiert waren und alle den Namen ,,L'Heure Joyeuse" trugen: ihre Benutzung war kostenlos, der Bestand in Freihand auf- gestellt, das Mobiliar kindgerecht, der Lesesaal in hellen Farben ansprechend eingerichtet und die jungen Benutzer bezog man sogar in die tägliche Biblio- theksarbeit ein. Als besondere Attraktion führte man eine Vorlesestunde (l'heure du conte) ein, die sich schon in den US-Bibliotheken als Erfolgsmodell erwiesen hatte. Ermutigt durch die positive Resonanz auf sein Wirken in Brüssel entschloss sich das ,,Book Committee" zur Ausweitung seiner Aktivitäten nach Frank- reich. 1922 nahm Mrs. Griffiths Kontakte zum Bürgermeister von Paris auf in der Hoffnung, dort gleichfalls mit einem auf dem Brüsseler Modell basieren- den Vorschlag willkommen zu sein. Doch im Pariser Rathaus war man von dem Projekt nicht angetan, und da sich einflussreiche französische Bibliothe- kare grundsätzlich gegen Kinderbüchereien aussprachen, kamen die Ver- handlungen kaum von der Stelle. Ernest Coyecque, der Direktor der Pariser Stadtbibliotheken, war hingegen vom Projekt angetan, und mit seiner Hilfe konnte schließlich die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung überwunden werden. Die mit der Stadt Paris abgeschlossene Vereinbarung sah vor, dass das ,,Book Committee" 2.000 ausgesuchte Kinderbücher sowie das speziell für Kinder entworfene Mobiliar beschafft sowie die Bibliothekarinnen einstellt. Seitens der Stadt wurden angemessene Räume sowie die Übernahme der Betriebskosten ab dem zweiten Jahr zugesichert. Als Domizil wählte man ein Haus im Zentrum der Seine-Metropole, im Quartier Latin mit seiner buntge- mischten Bevölkerung. Im 1. Obergeschoss war ein von Tageslicht gut be- 1218 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 10
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