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Volume Heft 8/9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue39.2005 (Rights reserved)

THEMEN Betriebsorganisation mit strikt investivem, strukturänderndem Charakter, von denen die Bibliothek langfristig zehren kann. Dieser Parameter ist also aus mehreren Gründen weitgehend unbrauchbar. Anteil der Dritt- & Sondermittel an den Bibliotheksmitteln (Zielbereich Entwicklung) Spannbreite zwischen den BIX-Teilnehmern: 0,0% bis 67,4% Wieso sollten Dritt- und Sondermittel für die Entwicklung einer Bibliothek be- sonders wichtig sein? Und wieso sollten sie ,,besser" sein als reguläre Haus- haltsmittel (die ja nicht für die Entwicklung ausgewertet werden)? DFG-Mittel für Sondersammelgebiete oder ähnliches sind sicher in ihrer Funk- tion gleichwertig mit den üblichen regulären Haushaltsmitteln. Aber es gibt auch andere Sondermittel, die eindeutig schlechter sind als reguläre Mittel! Wenn sich z.B. Hochschullehrer per eigene Drittmittel über die Bibliothek Pro- jektliteratur beschaffen, bekommen die UB-Benutzer im Effekt ca. 10 Jahre später veraltete Spezialliteratur. Wo ist also der besondere Nutzen dieser Mit- tel (die ja rechnerisch in die Bibliotheksmittel einfließen)? Ein anderes Beispiel: Ein Verlag macht eine Geldspende an eine UB mit der ganz unbedeutenden Auflage, diese doch für Käufe aus eigener Produktion zu verwenden. Auch diese Drittmittel sind deutlich schlechter als reguläre, weil die Bibliothek nun auch Werke erwirbt, die sie sonst nicht gekauft hätte. Natürlich könnte man jetzt die Erhebungsvorschriften für diesen Indikator verschärfen, so dass man nur noch die ,,guten" Dritt- und Sondermittel hat. Jedoch erstens: was soll dieser Parameter, wenn reguläre Mittel genauso kaufkräftig sind? Wenn Bib- liotheken schon von ihrem Unterhaltsträger für Sonderaufgaben reichlich be- dacht werden? Und zweitens: wieso betreffen laufende (Literatur-)Mittel ei- gentlich die Zukunft, die Entwicklung? Die Ausgaben für Literatur sind ja zu Recht bei den Ressourcen eingeordnet. Und wie ist die Statusbezogenheit dieses Indikators zu bewerten? In den Hochschulen gilt die Einwerbung von Drittmitteln durch Professoren durchweg als hoch prestigeträchtig. Sind denn nun ,,gute" Drittmittel, die als Statussymbol von Bibliotheken fungieren, eher ein Gradmesser für die zukünftige Entwicklung oder vielmehr ein Nachhall frü- heren Ruhmes, der nun langsam vergeht? Bibliothekare, die sich an den ang- loamerikanischen Verhältnissen orientieren, sehen die Drittmittelversorgung u.U. als Indikator für die finanzielle Unabhängigkeit einer Einrichtung; dann wäre aber eher das Stiftungskapital ein geeigneter Gradmesser und nicht zeit- lich begrenzte Projektmittel. Und schließlich: Sind Bau-Sondermittel der EU wirklich edler und entwicklungsträchtiger als solche des Landes Branden- burg? Ist eine so erreichte Sondermittelquote von 67,4% nicht jenseits von Gut und Böse? 1058 BIBLIOTHEKSDIENST 39. Jg. (2005), H. 8/9
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