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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

Politik THEMEN 2. wenn solche kulturellen Wertgegenstände zum Eigentum von Personen, Gruppen oder Organisationen gehörten, die von den Nationalsozialisten aus politischen, ethnischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden; 3. wenn nachgewiesen werden kann, dass dieses Eigentum im Zusammen- hang mit der Verfolgung unrechtmäßig entzogen wurde. Die Quellenlage Für die Recherchen nach Raubgut in den Bibliotheken ist die jeweilige Quel- lenlage vor Ort entscheidend. Unabdingbar für die Nachforschungen sind die Zugangsbücher von Bibliotheken. Zu beachten sind hier insbesondere die Eintragungen zu den Titeln und Erscheinungsjahren, zur Erwerbungsart und zu den Bezugsquellen. Vor allem Tausch- und Geschenkzugänge sind genau- er zu betrachten. Als weitere Auskunftsmittel sind die Akten in den Biblio- theksarchiven, die Erwerbungsunterlagen, Korrespondenzen etc. heranzuzie- hen. Auch die Überlieferung der vorgesetzten Behörden in Stadt- und Staatsarchiven kann wichtige Hinweise geben. Bei den Bezugsquellen ist vor allem auf staatliche Dienststellen (Polizeiämter, Gestapo, Sicherheitsdienst, Finanzämter), auf Gerichtsvollzieher, auf Organisationseinheiten der NSDAP (z.B. Gauarchive) oder militärische Einheiten (z.B. Heeresbücherei) und auf Institutionen innerhalb des Bibliothekswesens (Staatsbibliothek Berlin, Be- schaffungsamt, Reichstauschstelle etc.) zu achten. Je nach der individuellen Erfassung in den Bibliotheken geben die Eintragungen in den Akzessionsjour- nalen eindeutige Hinweise (z.B. durch die Bemerkung ,,Jud.Aukt. oder ,,J.A." für Auktionen von jüdischem Eigentum) oder mehr verschlüsselte Informatio- nen, die zu entziffern sind. Zeitlich gesehen ergeben sich im Hinblick auf den Zugang von Raubgut in öf- fentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken nach bisherigen Erkenntnissen verschiedenen Phasen: Von 1933 bis 1938 handelt es sich bei eingegangenen Büchern vor allem um indizierte Literatur oder konfisziertes Umzugsgut aus jüdischem Besitz, das von den Behörden zurückgehalten wurde. Ab 1939 ge- langte Raubgut verstärkt auch über die Reichstauschstelle und militärische bzw. staatliche Stellen in die Bibliotheken. Die Bücher stammen zum großen Teil aus Beschlagnahmungen von privaten und öffentlichen Sammlungen in den besetzten Ländern, insbesondere aus Polen. Seit 1941 steigt die Zahl von Büchern, die aus jüdischem Besitz geraubt wurden, stark an. Zumeist wurde es den rechtmäßigen Eigentümern vor deren Deportierung entwendet. Die Ermittlungsarbeit Jörg Rudolph zeigte in Beispielen wie mit Hilfe offensichtlicher und verschlüs- selter Hinweise die Ermittlungen nach ,,Raubgut verdächtiger" Literatur ge- BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 1 67
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