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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Ausland Veränderungen im Curriculum, eine Zunahme der Studentenzahlen und die Spezialisierung von Forschungsaktivitäten, sondern auch eine erhöhte Nach- frage nach Forschungsliteratur und mehr Leserplätzen. Daher entschied sich die Hochschulleitung, ein eigenes Bibliothekgebäude zu errichten und die Stelle eines hauptamtlichen Bibliothekars auszuschreiben. Die Eröffnung 1883 markiert den Beginn des modernen Bibliothekssystems der Columbia Univer- sity. Als Leiter wusste man Melville Dewey zu engagieren, der wenige Jahre zuvor das Fach Bibliothekwissenschaft etabliert hatte. Dewey führte eine Rei- he von Änderungen ein, darunter erstmals die Beschäftigung von Frauen als Mitarbeiterinnen. Insgesamt war die Hochschulleitung jedoch mit Deweys praktischen Bibliotheksarbeit bald nicht mehr zufrieden, und daher wurde sein Vertrag 1889 nicht verlängert. Deweys vielfach kritisierte Amtsführung hatte zunächst zur Folge, dass die Verwaltung die Kompetenzen des Bibliotheksleiters beschnitt und die Erwer- bungsmittel quasi einfror. Lediglich eine Reihe von Schenkungen kam in den Folgejahren ins Haus. Die Situation änderte sich aber schon wenig später, da die Hochschulleitung den wachsenden Reichtum der New Yorker Gesell- schaft, der zu Spenden für Theater, Museen und Parks führte, auch auf die Universität zu lenken verstand und damit gleichfalls die Bibliothek von den philanthropischen Neigungen der Bürger und Absolventen (alumni) profitierte. In diesem kompetitiven Umfeld sah sich auch der damalige Rektor veranlasst, 1895 aus seiner Privatschatulle eine Million Dollar für die Bibliothek bereitzu- stellen und damit den Bau der Low Memorial Library zu finanzieren, die 1897 auf dem neuen Campus ihre Tore öffnete. Zum ersten Mal stand der Biblio- thek damit ein ausreichend dimensioniertes Gebäude zur Verfügung. Die Nut- zung des großzügigen runden Lesesaals gab den Anstoß zur Entwicklung ei- nes ausgefeilten Auskunftssystems, das bald im Lande als vorbildlich gerühmt wurde. Um die Jahrhundertwende war die Kollektion auf rund 275.000 Bände angewachsen. Die folgenden Jahre sahen den Ausbau der Bibliothekslandschaft zu einem einheitlichen System. 1903 wurden alle Bibliotheken der Universität der Lei- tung des Bibliotheksdirektors unterstellt. Da sich die Fachbibliotheken parallel zu den speziellen Forschungszentren entwickelten, sah man sich 1907 veran- lasst, eine Spezialabteilung für die Anfangssemester (undergraduates) einzu- richten, die erste in den USA. In Absprache mit Fachgesellschaften und Verei- nen übernahm die Bibliothek bedeutende Kollektionen (American Mathemati- cal Society, Southern Society, Holland Society, Germanistic Society), erhielt Stiftungsgelder übereignet (Joseph Pulitzer Fund for Journalism, Carl Schurz Library Fund for German Language and Literature) und erwarb die Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten (Pierre Bayle Papers). Dank gezielter Erwer- bungen wurden die Grundlagen für die herausragenden Sammlungen in den 592 BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 5
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