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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Beruf 1. Vorgeschichte Nachdem im 19. Jahrhundert zunehmend die Forderung erhoben wurde, im Rahmen der Beamtengesetzgebung die bis dahin übliche Form der wissen- schaftlichen Bibliothekare als Professoren im Nebenamt durch eine eigen- ständige hauptamtliche Spezies abzulösen, traten erste Veränderungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Kraft, wobei Bayern eine Vorreiterrolle einnahm. Der wissenschaftliche Bibliotheksdienst als anerkannte Form einer Ausbildung geht zurück auf einschlägige Erlasse in Preußen 1893 und Bayern 1905. Er war von Anfang an als berufsspezifische, an Praxisüberlegungen orientierte Form konzipiert. Ein abgeschlossenes wissenschaftliches Studium (ein- schließlich Promotion) war Voraussetzung, aber die Ausbildung selbst war bewusst nicht als universitäre Ausbildung im Sinne eines postgradualen Stu- diums vorgesehen. In Preußen bestand die Ausbildung aus einem zweijähri- gen Volontariat (seit 1921 Referendariat), wobei der theoretische Teil (1 Jahr) bis 1912 wahlweise in Göttingen am Lehrstuhl für Bibliothekshilfswissenschaf- ten abgeleistet werden konnte. Danach wurde dieser Teil bis 1923 verpflich- tend. Eine völlige Vereinheitlichung trat 1938 ein, als durch Erlass des Reichsminis- ters für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung eine für das gesamte deut- sche Reich geltende Studien- und Prüfungsordnung für den Wissenschaftli- chen Bibliotheksdienst in Kraft trat, die im übrigen für den Zuständigkeitsbe- reich des Bundes (unter Herausnahme der NS-spezifischen Beamtengesetze) bis in die allerjüngste Zeit galt. Dort wurden folgende wichtigen Regelungen getroffen: · Eingangsvoraussetzung war ein mit Promotion (vorzugsweise), Diplom o- der Staatsprüfung abgeschlossenes Hochschulstudium. · Die Ausbildung (Referendariat) dauerte zwei Jahre. Das praktische Jahr war an einer UB, einer großen Staats- oder wenigen dazu berechtigten Landesbibliotheken abzuleisten. Die theoretische Ausbildung wurde wahl- weise in München oder Berlin durchgeführt. · Den Abschluss bildete eine Staatsprüfung. Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Berliner Aktivitäten für kurze Zeit nach Göttingen verlagert, kamen dort aber 1945 auch zum Erliegen. Die Fortführung der ,,Berliner Tradition" der theoretischen Ausbildung geschah 1949 durch das Land Nordrhein-Westfalen, welches zu diesem Zweck in Köln das Bibliothekar-Lehrinstitut gründete. Eine gewisse Neuorientierung nahm 1964 der Wissenschaftsrat in seinen ,,Empfehlungen zum Ausbau der Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland (Teil II: Wissenschaftliches Bibliothekswesen)" vor, als er das bis 184 BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 2
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