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Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Betriebsorganisation Konservierung, Zentralkatalogisierung, Kassation: 1 Zum Problem der Aussonderung Uwe Czubatynski 1. Die Problemlage In den letzten Jahren haben zahlreiche Untersuchungen eindringlich auf den Notstand aufmerksam gemacht, dass etwa ein Viertel aller Bibliotheksbestände akut gefährdet sind, weil sie auf säurehaltigem Papier gedruckt wurden und zudem noch mechanischem Verschleiß unterliegen.2 Ob eine Massenkonservierung in diesem Umfang möglich und bezahlbar ist, darf als immer noch offene Frage gelten. Zugleich gibt es aber in den Beständen der einzelnen Bibliotheken, der Natur des gedruckten Buches entsprechend, zahlreiche Dubletten. Der Dublettenanteil dürfte um so höher liegen, je jünger die Bestände sind und je mehr sich die Sammelgebiete gleichen. Es stellt sich daher die Frage, welche Exemplare auf Dauer erhalten werden sollen und müssen. Aus diesen Zwängen heraus wird freilich niemand auf die Idee kommen, defekte Inkunabeln zu vernichten oder Sammelbände der Reformationszeit zu makulieren. Auch sind unter Dubletten nur solche echten Doppelstücke zu verstehen, die sich nicht durch exemplarspezifische Besonderheiten auszeichnen. Dennoch wird man nicht die Augen davor verschließen können, dass ein Teil der jüngeren Literatur, unter der hier auch Drucke des 19. Jahrhunderts verstanden werden sollen, methodisch überlegt ausgesondert werden muss. Zu dem konservatorischen Problem tritt ein gleichsam inhaltlicher Verschleiß der Literatur hinzu: Unmittelbar einleuchtend ist die Tatsache, dass Literatur veraltet, allerdings in den verschiedenen Wissenschaften mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.3 Namentlich in den Naturwissenschaften liegt die sogenannte Halbwertzeit von Informationen mit ca. 5 bis 10 Jahren recht niedrig. In den Geisteswissenschaften hingegen wird auch die ältere Literatur immer wieder benötigt werden. Andererseits wächst die Buchproduktion nach wie vor, während neue Medien zusätzliche Ansprüche an die Funktionen der Bibliotheken 1 Gedruckt in: Uwe Czubatynski, Kirchengeschichte und Landesgeschichte. Gesammelte Aufsätze aus den Jahren 1991 bis 2003. Nordhausen 2003, S. 397–401. 2 Siehe zum Beispiel: Zentralblatt für Bibliothekswesen 104 (1990), S. 97–102, 223– 225, 283. Franz Georg Kaltwasser: Alte Bücher zwischen Reißwolf und Konservierung. in: Gutenberg-Jahrbuch 66 (1991), S. 38–49. 3 Adelheid Kasbohm: Kriterien für die Aussonderung wenig benutzter Literatur. in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 86 (1972), S. 263–278. 1612 BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 12
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