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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue38.2004 (Rights reserved)

Politik THEMEN 3. Themenkreis: Erbensuche und Restitutionspraxis Auf Grund einer Vereinbarung der Stiftung ,,Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (Berlin)14 und der ,,International Commission on Holocaust Era Insu- rance" in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Deutschen Versiche- rungswirtschaft im Oktober 2002 wurde das Bundesarchiv in Koblenz damit beauftragt, zwei Listen zu erstellen. Klaus Oldenhage ­ Vizepräsident des Bundesarchivs ­ stellte dieses Projekt zur Ermittlung möglicher Erben von Versicherungspolicen vor. Die eine Liste sollte alle Inhaber von Versiche- rungspolicen ­ insbesondere von Lebensversicherungen ­ enthalten, ganz unabhängig davon, ob sie Juden waren oder nicht. Die zweite Liste sollte Namen von allen jüdischen ,,Residenten" enthalten, allen Juden, die während der NS-Zeit in Deutschland gelebt hatten. Diese Listen wurden gegeneinander 15 abgeglichen und dadurch ca. 50.000 mögliche Anspruchsfälle festgestellt. Dabei konnte auf verschiedene Datenbasen zurückgegriffen werden. Nach der 1986 erschienenen ersten Ausgabe des ,,Gedenkbuches"16 ist mit den zusätz- lich gewonnenen Daten jetzt eine neue Ausgabe in Vorbereitung. Wann dieses Werk erscheinen wird, ist ungewiss, weil noch Rechtsfragen geklärt werden müssen. Schon jetzt aber können Anfragen an das Bundesarchiv17 gerichtet werden. Eva Blimlinger ­ Universität für angewandte Kunst ­ stellte in ihrem Bericht über Erbensuche in Wien Maßnahmen der Republik Österreich seit 1998 vor. Lange Zeit hat sich Österreich selbst als Opfer gesehen, bis sich doch die Einsicht durchsetzte, dass man Verantwortung übernehmen muss. Es gibt seither ein Bundesgesetz zur Rückgabe von Kunstgegenständen aus den ös- terreichischen Bundesmuseen und Sammlungen mit dem Beschluss für die Einrichtung einer Kommission für Provenienzforschung beim Bundesdenk- malamt, diese wurde mit der Erarbeitung eines Katalogs der betreffenden Kunstobjekte beauftragt. Auf den Arbeiten dieser Kommission fußend sind bereits einige Restitutionen erfolgt; es ist jedoch nicht bekannt, wie viele Kunstgegenstände nicht zurückgegeben wurden. Betroffene können die Her- 14 Eingerichtet 2000 vorrangig zur Entschädigung von Zwangsarbeitern. 15 Der vollständige Beitrag wird veröffentlicht in den AKMB-news 10 (2004), H. 3, ei- nem weiteren Schwerpunktheft zum Thema Restitution und Provenienzforschung. 16 Gedenkbuch ­ Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 ­ 1945. Bearb. vom Bundesarchiv, Koblenz und dem Internationalen Suchdienst, Arolsen. Koblenz: Bundesarchiv, 2 Bände 1986. 17 Ansprechpartner: Bundesarchiv, Abteilung Deutsches Reich, Dokumentation der Judenverfolgung, Finckensteinallee 63, 12205 Berlin, Tel. 01888/7770-421, Fax: 01888/7770-111, E-Mail: berlin@barch.bund.de. BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 11 1485
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