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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Politik wäre ein solches Urteil folgenlos, denn es greift dann das Verbot der Ausfuhr von Kulturgütern aus Russland... Die Geschichte des ,,Central Art Collecting Point" in München rekapitulierte Iris Lauterbach aus dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZfK). Sie berichte- te über ,,The Bau" ­ das ehemalige Verwaltungsgebäude der NSdAP, in dem heute das ZfK untergebracht ist ­, über die Strukturen, die dort bei der größ- ten Kunstsammelstelle in der amerikanischen Besatzungszone Beschäftigten, sowie über ihre Rolle im kulturellen Wiederaufbau der jungen Bundesrepublik 1945 bis 1949. Hier wurden alle von den Nationalsozialisten geraubten Kunst- güter zusammen getragen, die im Gebiet der amerikanischen Besatzung und im Salzkammergut in verschiedenen Sammlungen aufgefunden worden wa- ren. Erst 1952 übernahm die Treuhandverwaltung für Kulturgut in München die letzten Aufgaben der Collecting Points Wiesbaden und München. Der ers- te Direktor, Craig Hugh Smyth, arbeitete schon bald nach dem Krieg mit deut- schen Kunsthistorikern zusammen und hatte neben den zahlreichen Rückga- beaktionen (allerdings konnten keine Privatpersonen Ansprüche erheben, sondern nur Staaten) an der Einrichtung eines ,,Central Art Institute" ­ des dann 1946 gegründeten Zentralinstituts für Kunstgeschichte ­ großen Anteil. Als Direktoren sollten grundsätzlich ,,unbelastete" Personen fungieren, die al- lerdings ­ wie die Diskussion ergab ­ doch nicht alle unbelastet waren: Lud- wig Heinrich Heydenreich, Eberhard Hanfstaengel, Edgar Breitenbach. Es kam im Laufe der Zeit auch aus den eingesammelten Büchern eine kunsthis- torische Handbibliothek zusammen ­ heute der Grundstock der Bibliothek des ZfKs ­ dessen Herkunft bisher noch gar nicht als problematisch empfunden oder gar untersucht wird. 2. Themenkreis: Restitution im Verhältnis von Geschichte und aktueller Politik Drei Vorträge und eine Einführung in das Konzept des Denkmals für die er- mordeten Juden Europas beschäftigten sich mit dem Verhältnis von Ge- schichte und Gegenwart. Den Anfang machte Wolfgang Maurus ­ Referat K 13 bei der BKM und zu- ständig für Rückführung von Kulturgut und Koordinator der Deutsch- russischen Kulturbegegnungen, Bonn. Er sprach über den politischen Auftrag zu Provenienzklärung und Restitution. Dabei stellte er ­ im Gegensatz zu Gün- ter Winands (s.o.) ­ fest, dass als Voraussetzung für eine Rückgabe der Kul- turgüter die Rechtslage eindeutig sein muss. Nach dem Krieg hatten Men- schen und dabei natürlich auch Juristen mit den Wiedergutmachungen zu tun, die schon während des Nationalsozialismus agiert hatten (kein einziger ehe- maliger NS-Richter wurde verurteilt!) und nun die nächste Generation ausbil- 1482 BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 11
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