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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

Politik THEMEN lassen (dürfen), bis über alle in den dreißiger Jahren erworbenen Bestands- schichten Klarheit bestehe. Michael Knoche, dem Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB), war noch der Schock der letzten Wochen anzumerken. Seine Bibliothek hat sich als Forschungseinrichtung auf methodische Aspekte der Provenienzfor- schung spezialisiert. Zurzeit laufen verschiedene Restitutionsprojekte, die Enteignungen aus adligem und fürstlichem Bereich nach dem Krieg betreffen. Man befasst sich aber auch mit Hinweisen auf die Jahre 1933­1945, insbe- sondere auf Enteignungen von sozialdemokratischen Arbeitervereinen. In ei- ner persönlichen Bemerkung fügte M. Knoche an, dass ihm die Konzentration auf das Thema der Tagung nicht leicht fiele, angesichts der großen Menge verlorener oder beschädigter Bücher in Weimar. Besonders getroffen hat es die Literatur, die nicht dem Mainstream unterliegt ­ diese geht nicht durch ei- nen Bibliotheksbrand verloren. Es sind vielmehr die Unikate, die jede Biblio- thek verwahrt, die Neben- oder Umwege abseits der kulturellen Schwerpunk- te, deren Verlust unwiederbringlich ist. Je älter die Büchersammlung ist, desto einzigartiger ist der Bestand und umso unersetzlicher und schmerzlicher der Verlust. Gleich im Anschluss und zu Beginn seines Grußwortes bot Claus Michaletz ­ Vorsitzender der Secco Pontanova-Stiftung ­ unter dem Beifall der Teilnehmer Hilfe für die HAAB an. Diese Stiftung zur Förderung des Dialogs in Wissen- schaft und Kultur wurde vor sechs Jahren gegründet und hat ihren Sitz in Ber- lin, als ,,Untermieter" in der ZLB. Die Stiftung befasst sich schwerpunktmäßig mit Russland und Osteuropa, wo sie Rechtsinformationszentren (etwa in Mos- kau) unterhält und sich um die Themen Beutekunst in völkerrechtlicher und juristischer Hinsicht kümmert. Die regelmäßig stattfindenden Konferenzen werden dokumentiert.5 Ziel ist die Erhaltung der eigenen und der geraubten Bestände in osteuropäischen Bibliotheken, evtl. auch durch Digitalisierung. Auf diesem Gebiet ist man an vielen Projekten, etwa in Moskau, St. Peters- burg, Kaliningrad, Warschau und Breslau beteiligt, auch wenn man nicht ab- schätzen kann, ob und wann etwas zurück gegeben werden wird. Die Samm- lung Friedlaender zum Beispiel, die sich zum Teil in Lodz befindet, ist in einem sehr schlechten Zustand und wäre gar nicht transportierbar. Die Secco Pon- 5 Gerade erschienen: Kulturgüter ­ Möglichkeiten und Perspektiven einer gesamteu- ropäischen Zusammenarbeit. Materialien der internationalen Konferenz Kulturelle Zusammenarbeit in Europa: Fragen der Erhaltung und des Schutzes von Kulturgü- tern, St. Petersburg, 12. Mai 2003. Hrsg. Ministerium f. Kultur d. Russ. Föderation, Staatl. Bibliothek für Ausländische Literatur Rudomino, Moskau, und Secco- Pontanova-Stiftung ... Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, 2004. BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 11 1477
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