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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Amerikanische Studie zum Leseverhalten Gernot U. Gabel Wer von der Annahme ausgeht, dass sich in Deutschland, wenngleich mit zeitlicher Verzögerung, kulturelle Veränderungsprozesse in ähnlicher Weise vollziehen werden wie in den Vereinigten Staaten, dem wird die jüngste Studie zum Leseverhalten der Amerikaner wenig Freude bereiten. Diese von der Stif- tung ,,National Endowment for the Arts" (NEA) vorgelegte Veröffentlichung ba- siert auf Datenerhebungen, die das ,,U.S. Bureau of the Census" in den letzten 20 Jahren vorgenommen hat. Befragt wurden mehr als 17.000 Amerikaner im Alter über 18 Jahren. Die Studie mit dem Titel ,,Reading at Risk. A survey of literary reading in America" wurde im Juli 2004 von Dane Gioia vorgestellt, dem Vorsitzenden der 1965 vom U.S. Kongress geschaffenen und in Wa- shington angesiedelten Nationalstiftung zur Förderung der Künste, die in allen 50 Bundesstaaten der USA aktiv ist. Die Bevölkerung der USA hat sich in den letzten 20 Jahren nicht nur um ca. 40 Millionen Menschen vermehrt, sie weist ethnisch auch eine größere Vielfalt auf. Wie das Census Bureau mitteilte, hat sich von 1980 bis 2000 unter den Einwanderern der Anteil ethnischer Minderheiten deutlich schneller erhöht als die Zahl der Immigranten aus europäischen Ländern. Die Zahl der spanisch- sprechenden Einwohner Amerikas hat sich in diesem Zeitraum fast verdop- pelt. Die Palette der Nationen, aus denen die Einwanderer kommen, wird ste- tig bunter. Zudem hat sich zwischen 1982, dem ersten Jahr der Befragung, und 2002, der jüngst durchgeführten Erhebung, der technologische Wandel amerikanischer Haushalte verstärkt. 1982 waren Computer im Privatbereich ein relativ neues Phänomen, während sie heute in vielen Wohnungen zu fin- den sind und das Internet von Millionen genutzt wird. Bereits 1980 war von Politikern und Soziologen die Befürchtung geäußert worden, die Amerikaner konnten sich von einer ,,nation of readers" zu einer ,,nation of watchers" ver- ändern. Die ethnische Vielfalt und der technologische Wandel haben natürlich, wie Untersuchungen bestätigen, ihre Auswirkungen auf das Leseverhalten und die Teilnahme am kulturellen Geschehen in der Bevölkerung. Die Hauptaussage der NEA-Studie lautet, dass erwachsene Amerikaner sich heute deutlich weniger der Literatur zuwenden als vor zwei Jahrzehnten. Wäh- rend sich 1982 noch 56,9 Prozent der Befragten zur Lektüre literarischer Texte (Roman, Kurzgeschichte, Gedicht, Theaterstück) bekannten, so war dieser Wert zwei Jahrzehnte später auf 46,7 Prozent gefallen. Mehr als die Hälfte der volljährigen Amerikaner kommt somit nicht mehr in Kontakt mit literarischen Werken. Der ermittelte Rückgang um 10 Prozent entspricht einem Anteil von rund 20 Millionen potenziellen Lesern. BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 11 1395
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