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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

THEMEN Die ,,Bibliothèque de Documentation Internationale Contemporaine" in Nanterre Gernot U. Gabel Im Verlauf des Sommers haben deutsche Fernsehanstalten mehrmals Doku- mentationssendungen über den Ersten Weltkrieg gebracht, der vor 90 Jahren begann. Der ,,Große Krieg", wie er damals von Zeitgenossen genannt wurde, ist auch Ausgangspunkt für die Gründung der ,,Bibliothèque de Documentati- on Internationale Contemporaine", deren Sammeltätigkeit mit Beginn des vier Jahre währenden Kampfes einsetzte. Als nach dem Attentat von Sarajevo die Kriegsmaschinerien der europäischen Staaten in Gang gesetzt wurden und der offizielle Kriegsbeginn für weitsichti- ge Beobachter absehbar war, entschloss sich das Pariser Industriellenehe- paar Henri und Louise Leblanc, alles an Publikationen und Verlautbarungen zu sammeln, was zu den Ursachen des Konfliktes und über den Verlauf der mili- tärischen Auseinandersetzung erscheinen würde. Die Sammler beschränkten sich nicht auf französische Texte, sondern bezogen von Anfang an Dokumen- te aller Kriegsparteien ein. Im Verlauf der folgenden Monate kam eine Flut di- verser Materialien in ihren Besitz, von Zeitungen und Zeitschriften über Flug- blätter, Plakate und Kriegstagebücher bis zu Fotos, Postkarten und Zeich- nungen. Sie stammten aus der Feder von Politikern, Journalisten, Soldaten, Kriegsgefangenen, Gewerkschaftern und Historikern und waren in vielen eu- ropäischen Sprachen abgefasst. Die sich schnell vermehrende Kollektion war zunächst in der Pariser Privat- wohnung der Leblancs in der Rue Malakoff untergebacht, doch bald wurde die Anmietung eines weiteren Appartements nötig sowie die Einstellung von Personal, um die Schriften und Bildmaterialien zu ordnen und katalogmäßig zu erfassen. Bereits 1915 trafen die Eheleute die Entscheidung, die Sammlung ausgewählten Personen zugänglich zu machen. Als der Krieg in das zweite Jahr ging und ein Ende der militärischen Auseinandersetzung nicht abzusehen war, wurde den beiden Initiatoren bewusst, dass die selbstgestellte Aufgabe schwieriger und länger angelegt als erwartet war und größere Finanzressour- cen erforderte als geplant. Sie kamen daher zum Entschluss, die Kollektion dem Staat zu übereignen, und nahmen Kontakt zu mehreren Abgeordneten der französischen Nationalversammlung auf. Ihr Anliegen stieß in diesen Krei- sen auf großes Wohlwollen, denn an den Universitäten und staatlichen Biblio- theken des Landes war eine derartig vielschichtige und weitgefasste Kollekti- on nicht vorhanden. Einen eifrigen Fürsprecher für ihre Pläne fanden sie in André Honnorat, dem Abgeordneten der Region Basses-Alpes, der die Not- wendigkeit erkannte, ein ,,Geschichtslabor" zum Nutzen zukünftiger Generati- BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 10 1235
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