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Volume Heft 9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 38.2004 (Rights reserved)

Bibliotheken THEMEN Der Kuczynski-Nachlass in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin Agnieszka Brockmann Am 8. Juli 2002 hat die Zentral- und Landesbibliothek Berlin den Nachlass von Jürgen Kuczynski erworben. Seit August 2002 wird die Sammlung er- schlossen. Der Nachlass gehört zu den größten und wichtigsten Sammlungen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Er besteht aus einer ca. 70.000 Bände und Zeitschriften umfassenden Bibliothek (der größten Privatbibliothek Deutschlands) und dem handschriftlichen Nachlass von Robert René, Jürgen und Marguerite Kuczynski. Sein Umfang wird auf ca. 100 Regalmeter ge- schätzt. 1. Zur Geschichte der Sammlung Die Anfänge der Kuczynski-Bibliothek reichen bis in das 18. Jahrhundert hin- ein. Der ,,Großvater des Urgroßvaters" von Jürgen Kuczynski ­ ein leiden- schaftlicher Kantianer ­ hat damals die Schriften des Königsberger Philoso- phen in Erstausgaben gekauft. Der nächste Besitzer der Bibliothek ­ Samuel Brandeis ­ ein Zeitgenosse von Heine und Anhänger von Marx ­ schaffte für die Bibliothek weitere Schätze an ­ das vermeintlich 1848 in Paris erschiene- ne ,,Kommunistische Manifest" (in Wirklichkeit: ein Raubdruck aus dem Jahre 1851) und weitere Schriften der linken Elite dieser Zeit. Ein Teil der Bibliothek von Samuel Brandeis mit den politischen Schriften und der Sammlung antiker Literatur ging nach seinem Tode auf den Enkel Robert René Kuczynski über und bildete den Kern der späteren Kuczynski-Sammlung.1 So stürmisch wie das Schicksal der ganzen großbürgerlich-intellektuellen Fa- milie war auch das Schicksal der Bibliothek. Zweimal ging sie ins Exil ­ zuerst 1846, als Samuel Brandeis aus Preußen ausgewiesen wurde und nach Frank- reich emigrierte, und dann 1933, als Robert René Kuczynski vor den Nazis nach England fliehen musste. 20.000 Bände konnte er dabei retten, der Rest wurde in die Bibliothek des Reichsarbeitsdienstes eingegliedert und ging im Krieg verloren. Nach der Rückkehr aus dem Exil hat der Sohn von Robert Re- né, der Wirtschaftshistoriker Jürgen Kuczynski, die Sammlung vervollständigt und erweitert, nicht zuletzt um sein eigenes Lebenswerk ­ über 100 Buchtitel 1 Eine ausführliche Darstellung der Geschichte der Kuczynski-Bibliothek siehe bei: Kuczynski, J.: Sechs Generationen auf Bücherjagd: zur Geschichte meiner Biblio- thek ­ Berlin: Pirckheimer-Gesellschaft im Deutschen Kulturbund, 1958. ­ Gedruckt in 500 Exemplaren. BIBLIOTHEKSDIENST 38. Jg. (2004), H. 9 1043
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