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Volume Heft 3

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Ausland Diese so häufig gehörte Aussage ist richtig: Wo denn sonst, wenn nicht genau hier ansetzen, um die fehlenden Informationen über das Nachbarland zu liefern bevor es zu spät ist? Sie sind doch die Voraussetzung für ein gegen- seitiges Verstehen und überhaupt für das Interesse am anderen. Aber auch hier gilt: Die Nachfrage reguliert das Angebot. Im Kulturstaat Frankreich wird über ein funktionierendes Bibliothekssystem zwar auch ein Angebot an deutschsprachigen Medien bereitgestellt. Der Be- stand aber spiegelt häufig den Kanon der Germanistik wider: er ist klassisch, ausgerichtet an dem weiterhin sehr traditionell geprägten Lehrangebot der Uni- versitäten, der keinen Platz für Neues, für neue Namen und Tendenzen lässt und somit das vorhandene Bild von Deutschland bestätigt. Zurückgehende Studentenzahlen in der Germanistik oder anderer Disziplinen wie der Philoso- phie, der Geschichte, den Sozialwissenschaften oder auch der Politik, die auch deutsche Bücher benötigten, haben nun, in entsprechender zeitlicher Verzöge- rung, zur Folge, dass die Bestände in den Bibliotheken, insbesondere in den Universitätsbibliotheken zurückgehen. Warum auch deutschsprachige Bücher kaufen, wenn die Nachfrage sinkt und die Etats dringend für die Anschaffun- gen in anderen Sprachen gebraucht werden? Die Anschaffungsquoten richten sich nach eingeschriebenen Studentenzahlen; sinken diese, sinkt auch der Erwerbungsetat. Damit ist es auch nicht mehr notwendig, die Bestände zu erschließen, das An- gebot sichtbar zu machen. Wurden früher über Agenturen annotierte Neuer- scheinungslisten geliefert, um an die französischsprachigen Informationen und bibliographischen Angaben deutscher Neuerscheinungen zu kommen, so ste- hen heute entsprechende Erwerbungshilfen zwar noch für die englischen Titel zur Verfügung, nicht aber für die deutschen. Ein Bibliothekar, der für die Er- werbung deutschsprachiger Materialien zuständig ist und über entsprechende Sprachkenntnisse verfügt, ist die große Ausnahme. Aktive Vermittlungsarbeit Hier setzt die bibliothekarische Vermittlungsarbeit der Goethe-Institute in Frankreich ein, deren Bereiche Information & Bibliothek sich in den vergange- nen Jahren entschieden von der ausschließlichen Betreuung eigener Biblio- theken zu Koordinationspartnern und Vermittlern für die französischen Biblio- thekskollegen entwickelt haben. Das Fachpersonal vermittelt nun die notwen- digen französischsprachigen Annotationen zu den Neuerscheinungen des deutschen Buchmarkts, es erstellt thematische Bestandslisten, Informationen über CDs, CD-ROMs, Hörbücher und vermittelt das notwendige Know-how selbst durch die Vermittlung von Fachaufenthalten oder Sprachkursen für die französischen Kollegen. Für diese Angebote ist das Internet ein segensreiches 282 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 3
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