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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Ausland terbunden wurde und einem religiösen Buch (Luis Antonio Rosado da Cunha: Relação da entrado que fez [...] D. Fr. Antonio do Desterro Melheyro, Bispo 9 do Rio de Janeiro, Rio de Janeiro 1747) wurden in Brasilien keine Bücher gedruckt, da das Mutterland nicht an einer weitergehenden kulturellen Entwicklung der Kolonie interessiert war. Begabte Brasilianer studierten in Coimbra in Portugal und veröffentlichten dort auch ihre Werke. Erst mit der Ankunft des portugiesischen Königshauses 1808, das vor Napoleons Ein- marsch in Portugal aus Europa geflohen war, setzte ein intensives kulturelles Leben ein und damit verbunden auch ein eigenständiger Buchdruck in Brasi- lien. Entsprechend dieser Vorgaben stammen alle früheren Dokumente über Brasilien von europäischen Druckern. Mindlin besitzt das erste Brasilienbuch überhaupt, das ausschließlich dem Land gewidmet ist, Hans Stadens Wahrhaftige Historia in der Erstausgabe Marburg; Andreas Kolbe, Fastnacht 1557. Stadens Buch wurde vor allem we- gen der umfangreichen Beschreibung des Kannibalismus der brasilianischen Tupinamba-Indianer, deren Gefangener Staden einige Monate war, zu einem großen Erfolg und erfuhr zahlreiche Nachdrucke. Für die Stadenrezeption und generell als Beleg für die Wichtigkeit der Arbeit mit den Originalen in der For- schung ist bemerkenswert, dass dieses Buch hier zusammengebunden ist mit einem Nachdruck des Stadentexts durch den Frankfurter Drucker Weigand Han. Han verfügte natürlich nicht über die Holzstöcke des Marburger Origi- naldrucks, so hat er für seine Illustrationen die Bebilderung des thematisch überhaupt nicht passenden Reisebuchs von Ludovico Varthema nach Asien verwendet, das er im selben Jahr 1558 gedruckt hat. Der Besitzer hat Stadens Erstausgabe mit der Ausgabe von Han zusammenbinden lassen. Die Bindung ist 1558 datiert. Zusätzlich wurde dem Buch die Hansche Ausgabe von Varthema hinzugefügt, Nikolaus Federmanns Bericht über Venezuela unter dem Titel Indianische Historia von 1557 und Schildbergers vielgelesene Eine wunderbarlich und kurztweylige Historia über seine Gefangenschaft in der Türkei. Diese Exemplarbeschreibung zeigt, dass auch die zeitgenössischen Leser sich der Authentizität des Bildmaterials durchaus bewusst waren und es wie im Falle der Han-Ausgabe sozusagen kritisch mit dem Original und der Ausgabe von Varthema konfrontierten. Die Hinzufügung von anderen Rei- seberichten zeigt das Interesse des unbekannten Besitzers an Reiseliteratur generell und die Tendenz, durch die hier bindetechnisch erstellte Sammlung in Fortführung der Kompilationen von Montalboddo (1507) und Ramusio (1550) schon die großen späteren Reisesammlungen von Bry (1590 folgende) zu an- tizipieren. 9 Vgl. hierzu Koppel, Susanne (Hrsg.): Brasilienbibliothek der Robert Bosch Gmbh, Stuttgart 1986, S.176/177, Nr. 191. 1398 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 11
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