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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Politik Kogel ging das Plenum frontal an: Alfred Weber hat gesagt: ,,Jeder Verband ist eine Konspiration gegen die Öffentlichkeit!" Er habe den Verdacht, dass diese Veranstaltung gleichfalls diesem Zweck dient. Ein offensiver Umgang mit der Restitution ist unbedingt nötig, denn was öffentlich ist, muss öffentlich behandelt werden. Es nützt gar nichts, im Geheimen zu agieren, die Wahrheit kommt in jedem Fall ans Licht. Für eine öffentliche Einrichtung gehört es sich, dass Bibliothekare die Initiative ergreifen. Radio Bremen hat über die Bremer Bücherrückgabe berichtet. Und er sagt zu, sich dafür einzusetzen, dass in der Reihe ,,Unter deutschen Dächern" über weitere Restitutionen berichtet wird. Leider funktionieren die Medien so, dass sie einen spektakulären Fall zum Aufhänger nehmen, sie benötigen einen Tä- ter und ein Opfer, ganz platt. Werner hat schon viele Restitutionen unter großer Anteilnahme der Medien durchgeführt. Er wundert sich, warum keine Medienvertreter anwesend sind, um über die Tagung zu berichten! War das gewollt? Auch er empfiehlt offensi- ves Umgehen. Zwar sei Bücherrückgabe nicht so spektakulär wie das be- rühmte Bild, Bibliotheksarbeit geschieht mehr im Verborgenen, sie sollten sich aber in die politische Diskussion einbringen. Werner berichtete von seinen Erfahrungen mit Verhandlungen mit russischen Kollegen, die deutsche Buchbestände gern zurückgeben wollten, doch an der Duma scheitern. Um deren Gesicht zu wahren, schlägt er die Gründung einer Stiftung vor, an die restituiert werden könnte. Jedoch auch die Deutschen zö- gern z.Z. noch. Insgesamt steht das Thema unter Zeitdruck, was das Ausfin- digmachen von Erben betrifft, aber auch was den Erhalt der Bücher betrifft, die z.B. in Russland unter unsachgemäßen Bedingungen gelagert sind. Zur größten Überraschung des Publikums verkündete Werner, dass im BGB die Verjährungsfrist für Rückgaben gerade neu geregelt wurde, nach 30 Jah- ren muss nun nicht mehr zurückgegeben werden. Er verlangte, es sollte da- gegen ein Aufschrei organisiert werden! Die Bibliothekare sind in diesem Zu- sammenhang sowohl Täter als Betroffene und müssten deswegen ein großes Interesse haben, ihre eigenen Bestände auch wieder zurück zu erhalten. Bücher sind das Wenigste, was weggenommen wurde, am Anfang stand der Raubmord! Der erste von vielen Diskussionsbeiträgen aus dem Plenum rückte dies in den Fokus. ­ Restitutionen reißen Wunden auf, sowohl bei den Tätern, bei den Opfern und bei uns, die wir uns um Restitution bemühen. Das ist zu berücksichtigen. ­ Es geht ja nicht nur um jüdische Opfer, auch andere Ge- schädigte sollten berücksichtigt werden. ­ Die verbreitete Haltung: ,,Wir möchten ja gern, können aber nicht ..." sollte nun endlich überwunden wer- den. ­ Die Rolle des DBV ist in diesem Zusammenhang ambivalent zu nennen: Er konzedierte, dass zu suchen sei, aber ­ wie es dann heißt ­ immer nur dann, wenn dazu Anlass bestände. Und er marginalisierte die Bedeutung des 1296 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 10
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