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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Politik Gemeinsam mit dem Referenten wurde eine Anhebung der Grenze erwogen, ab der eine Bücher-Rückgabe den fiskalischen Bagatellfall (bisher strikt 5 Eu- ro) übersteigt. Ein Betrag von 200 Euro erschien auch ihm angemessen. Au- ßerdem signalisierte Harald König eine Unterstützung etwa im Fall der Biblio- 10 thek von Cäsar Hirsch , deren Erben die weit wertvollere Büchersammlung nicht selbst behalten, sondern einer öffentlichen Einrichtung zur Verfügung stellen wollen ­ wenn auch die OFD nicht das endgültige Entscheidungsrecht in der Sache hat, dies liegt beim Finanzministerium. Praktische Hilfen zur Recherche nach Büchern mit fraglicher Herkunft legte danach Grit Nitzsche aus Falkenhain vor. Obwohl es einen allgemein gültigen Rechercheplan nicht geben kann, versuchte sie aus ihren Erfahrun- gen in der Deutschen Bücherei Leipzig eine praktische Ergänzung der ,,Hand- reichung" und empfahl dabei Systematik, Kooperation und Dynamik. Nach Klärung der Sachverhalte und ihrer Einzelheiten (Themen: Wie wurden Erwer- bungen in der Zeit von 1933 bis 1945 erfasst und eingearbeitet? Welche Un- terlagen der Erwerbungen existieren?) fragt sie: Lassen sich ehemalige Besit- zer anhand von Akten oder Stempeln, Exlibris o.ä. im Buch ermitteln, und welche Anspruchsberechtigten lassen sich noch finden? Mutig voran ­ dies gab sie den Teilnehmern auf den Weg zur Weiterarbeit. In der Diskussion wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Recherche- zeitraum keinesfalls mit 1945 als abgeschlossen anzusehen ist. Es lohne sich, ihn mindestens bis in die 50er Jahre auszudehnen. Manche Diskussions- beiträger empfahlen sogar eine Ausweitung bis in die 70-er Jahre. Grit Nitzsche moderierte auch das Forum ,,Erwerbungen der Bibliotheken: Beispiele, Indizien". Dieser Workshop diente vor allem dem Austausch von Erfahrungen und Berichten über praktische Beispiele. Obwohl jeder Gegen- stand von Provenienzforschung als Einzelfall spezielle Methoden erfordert, sind jedoch Vergleiche möglich. Ergänzend zu den Hinweisen im Vortrag von Wolfgang Schmitz (s.o.) wurden einige Indizien zusammen getragen, die be- sonderes Augenmerk verdienen, wie etwa ungewöhnliche Zugangsnummern, Vermerke in Akzessionsjournalen, Stempel von Buchbindern, Besitzer- Stempel (vor voreiligen Schlüssen sei jedoch gewarnt). Angesprochen wurde auch das Phänomen, dass in den Zeiten von großzügigen Etats die Gelder fast verzweifelt auch in Antiquariaten ausgegeben wurde ­ hierbei könnten es sich tatsächlich um Bücher mit fragwürdiger Herkunft gehandelt haben. 1 0 Vgl. den Bericht von Bernd von Egidy in den AKMB-News 9 (2003), Nr. 3. 1294 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 10
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