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Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Recht in der alten Fassung von § 90 Abs. 1 Satz 4 ThürHG nicht so geregelt. Dort hieß es vielmehr: ,,Die Auswahl der Literatur und der anderen Informationsträger wird von den Fachbereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Zusammenwirken mit der Hochschulbibliothek vorgenommen. Die Fachbereiche bestellen die hier- für erforderlichen Ausschüsse oder Bibliotheksbeauftragten." Die Auswahlkompetenz lag demnach eindeutig bei den Fachbereichen. Der Bibliothek und ihren Fachreferenten kam nur eine ­ pointiert gesprochen ­ ,,Handlangerfunktion" zu. Sie hatten die anderenorts vollzogene Erwerbungs- entscheidung bibliothekarisch auszuführen. So war die Rechtslage seit der Verabschiedung des Thüringer Hochschulgesetzes im Jahre 1992. Interessant ist aber ein Blick in die Gesetzgebungsgeschichte. Ursprünglich lautete § 90 Abs. 1 Satz 4 ThürHG in der Fassung der Beschlussvorlage (vgl. Beschluss- vorlage aus Landtags-Drs. 1/854, S. 48) so: ,,Die Hochschulbibliothek stimmt die Anschaffung von Literatur und den Zu- gang zu Informationsnetzen mit den Fachbereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen ab." Der zuständige Ausschuss für Wissenschaft und Kunst ist dieser Beschluss- vorlage nicht gefolgt. Er hat in seiner Sitzung vom 14. Mai 1992 einstimmig eine geänderte Fassung beschlossen: ,,Die Auswahl der Literatur und der anderen Informationsträger wird von den Fachbereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Zusammenwirken mit der Hochschulbibliothek vorgenommen." Diese Fassung wurde vom Landtag verabschiedet und ist Gesetz geworden. Es scheint, als sei die Zuordnung der Auswahlkompetenz zu den Fachberei- chen eine Art Ausgleich für die strenge Einschichtigkeit der Thüringer Hoch- schulbibliotheken und den damit verbundenen Wegfall eigener Institutsbiblio- theken. Dem Ergebnisprotokoll der Ausschusssitzung ließ sich zwar keine entsprechende Begründung entnehmen. Fest steht aber, dass durch die vom Ausschuss vorgenommene Änderung die Stellung der Wissenschaftler bei der Auswahl der Literatur gestärkt und die der Bibliothek geschwächt wurde. Die 1992 verabschiedete Fassung von § 90 Abs. 1 ThürHG hat zehn Jahre lange die Arbeit die Thüringer Hochschulbibliotheken bestimmt. In der Praxis konnte die vom Gesetzgeber vorgesehene Literaturauswahl durch die Fachbereiche in Reinform nicht funktionieren, denn die Aufgabe der Fachbereiche sind For- schung und Lehre und nicht die bibliothekarische Beobachtung des Neuer- scheinungen. Zudem liegt in einer alleinigen Literaturauswahl durch die Fach- bereiche die Gefahr eines einseitigen Bestandsaufbaus. Aufschlussreich ist hier die Regelung in der Grundordnung der Universität Erfurt vom 3. Juli 2001 (Gem. Amtsblatt TKM/TMWFK 2002, S. 296), die das Hochschulgesetz auf die 1116 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 8/9
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