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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue37.2003 (Rights reserved)

Altes Buch THEMEN umstritten sind. Man kann gespannt sein, ob sie sich für die zukünftige Arbeit durchsetzen werden. Nach der Kaffeepause führte Prof. Janusz Tondel (Torun) mit seinem Referat Porträtplatten auf Bänden der Königsberger Hofbibliothek wieder zur engeren Einbandforschung zurück: Der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568), führte 1525 im Ordensstaat die Reformation ein und verwandelte ihn in ein dem König von Polen le- henspflichtiges Herzogtum. Sogleich gründete er in Königsberg die Kammer- Bibliothek. Sie enthielt hauptsächlich deutschsprachige protestantische Litera- tur und wurde daher auch ,,Deutsche Liberei" genannt. Eine zweite Sammlung, ,,Neue Bibliothek" (Bibliotheca Nova) genannt, war die eigentliche wissen- schaftliche Bibliothek in Königsberg. Sie wurde 1540 eröffnet. Mehr als drei Viertel der Einbände stammen aus der Werkstatt des Königsberger Buchbin- ders Kaspar Angler. Auf diesen Einbänden kommen 10 Porträt-Platten histori- scher Personen vor, auf die näher eingegangen wurde. Dargestellt sind u.a. Herzog Albrecht und seine erste Gemahlin Dorothea. Die Universitätsbiblio- thek, wohl 1544 gegründet, hatte dagegen keine große Bedeutung. Ihre Be- stände setzten sich fast nur aus Schenkungen der Professoren zusammen. Auch der moderne Bucheinband fand wie gewohnt bei den Vortragsthemen Berücksichtigung: Walter Schulz (Emden) würdigte im Schlussreferat der Ta- gung den Buchkünstler Otto Rohse, Gutenbergpreisträger 2002. Rohse, geb. 1925 in Insterburg, besuchte in Königsberg die Kunstakademie. Seit 1956 freischaffender Künstler ­ zwischenzeitlich auch Leiter der Klasse für Typo- graphie und Buchgestaltung an der Werkkunstschule in Offenbach ­ gilt er als einer der profiliertesten Vertreter der klassischen Typographie und Buchillust- ration. Die Bücher seiner eigenen, seit 1962 bestehenden, Presse ließ er aus- schließlich bei Christian Zwang binden (beispielhafte Bände waren auf Ti- schen ausgelegt). Er belebte die alte Technik des farbigen Kupferdrucks und den Holzdruck neu. 1969 gründete er die Zeitschrift ,,Sigill: Blätter für Buch und Kunst". Weite Bekanntheit erlangte er aber als Gestalter der Briefmarken- dauerserien, die er 1955 bis 1995 für die Deutsche Bundespost entwarf, z.B. ,,Deutsche Bauten aus 12 Jahrhunderten". Mit Emden verbindet ihn seine ers- te Ausstellung, die 1997 in der Johannes a Lasco Bibliothek stattfand. Diese wird auch sein gesamtes Werk übernehmen, besitzt sie doch bereits alle Kup- ferstichplatten. Anlässlich des 40jährigen Bestehens der Otto-Rohse-Presse 2002 eröffnete sie am 28. November das Otto-Rohse-Kabinett. Zur Tagung erschien Heft 11 der Zeitschrift Einband-Forschung, das jedem Teilnehmer als Bestandteil der Tagungsunterlagen überreicht wurde. 2003 wird der AEB zum ersten Mal im Ausland tagen. Auf Einladung der Universi- tätsbibliothek Graz werden sich die Einbandforscher dort vom 24. bis 27. Sep- tember treffen. Das Programm wird rechtzeitig in der Fachpresse und auf der Homepage des AEB veröffentlicht (http://aeb.sbb.spk-berlin.de). BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 1 29
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