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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Politik Jüdischer Buchbesitz als Beutegut NS-Kulturraub in deutschen Bibliotheken Symposium im Niedersächsischen Landtag in Hannover am 14.11.02 Das Thema NS-Raubgut in deutschen Bibliotheken war erstmals Gegenstand einer bundesweiten Tagung, zu der Prof. Rolf Wernstedt, Präsident des Nie- dersächsischen Landtages, und Dr. Georg Ruppelt, Leitender Direktor der Niedersächsischen Landesbibliothek, gemeinsam eingeladen hatten. Die Resonanz war groß. Nahezu 200 BibliothekarInnen, HistorikerInnen, Kul- turschaffende, Studierende und kulturpolitisch Interessierte aus Deutschland und den Niederlanden folgten der Einladung zu Vorträgen und Diskussion in den Niedersächsischen Landtag, die Stephan Lohr, Redakteur im NDR, sach- kundig moderierte. Was seit 1999 durch die gemeinsame Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände für die Auffindung und Rück- gabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdi- schem Besitz, für die Restitution von geraubten Kunstsammlungen festgelegt wurde, gilt naturgemäß auch für die Bibliotheken. Aber anders als die öffent- lichkeitswirksame Restitution von millionenschweren Kunstsammlungen zog bisher die Suche nach in der NS-Zeit beschlagnahmten Buchbeständen nur wenig Aufmerksamkeit auf sich. Doch die Spurensuche nach der Vergangen- heit habe einen Wert für sich, wie Prof. Wernstedt in seinem einleitenden Vor- trag hervorhob: ,,Ob man für alle gefundenen Bücher noch einen Eigentümer finden kann, mag bezweifelt werden. Aber einem nachgeborenen Angehörigen ein Buch zu- rückgeben zu können, das vielleicht die letzte originale Erinnerung an einen umgekommenen Verwandten ist, hat hohen tatsächlichen und symbolischen Wert." Dr. Georg Ruppelt nahm in seinem Begrüßungsvortrag das Ergebnis des Symposiums exemplarisch vorweg. Er demonstrierte das Ergebnis einer Spu- rensuche in der Niedersächsischen Landesbibliothek anhand von zwei Bü- chern, die aus dem Besitz von deportierten und ermordeten Hannoveraner Bürgern stammten und 1943 und 1944 von der Niedersächsischen Landesbib- liothek erworben worden waren. Veronica Albrink gelang es während ihres Bibliotheksreferendariats das Schicksal der Bücher und das ihrer früheren Ei- gentümer, der Archivarin Aenne Löwenthal und des Textilfabrikanten Rüden- berg, zu ermitteln. 70 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 1
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