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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

Erschließung THEMEN bräuchlichkeit im Vergleich zu jenem aber größer ist, sodass diese Komposita mit dem ,,Suffix" ,,-Sprache" stets den Makel mit sich tragen, ungebräuchlich oder weniger gebräuchlich zu sein. Wenn derartige Komposita mit ,,-Sprache" als Regelfall gebildet werden (vgl. etwa das Beispiel Telugu-Sprache bei § 701.1 c RSWK), verstoßen sie meist gegen die folgenden Grundsätze der RSWK ­ die gebräuchlichen Formen zu wählen, ­ neu erfundene Namens- formen zu meiden, ­ die Ansetzungen von vorgeschriebenen Nachschlage- werken zu übernehmen. In diesen sind Sprachbezeichungen wie Guarani, Tupi, Ibo usw. seit langem als ,,andere, eindeutige Bezeichnungen" eingeführt. Die schematische Bildung der Komposita mit dem ,,Suffix" ,,-Sprache" führt leicht zu fragwürdigen Ansetzungen. Einem ,,Gilaki-Sprache", das früher in der SWD für eine iranische Mundart zu lesen war, entspräche im Deutschen ein ,,Bairisch-Sprache". Denn die iranische Endung -i macht den Namen eigent- lich schon zu einem eindeutigen GN (inzwischen korrigiert). Erza-Mordwinisch steht neben ,,Mokscha-Sprache" statt Mokscha-Mordwinisch. Beides sind Namen für mordwinische Dialekte. Die Regel nach RSWK § 701.1 c müsste aufgehoben werden bzw. auf be- gründete Einzelfälle wie z.B. bei den als GN verwendeten Ortsnamen Port Sandwich, Hatzfeldhafen Moewehafen beschränkt werden, bei denen GN Na- mensformen wie Port Sandwich-Sprache, Hatzfeldhafen-Sprache (so Finck aber SWD Hatzfeldhaven-Sprache), Moewehafen-Sprache angebracht wären. 2. Wortbildung Mit § 701.1 c schreiben die RSWK eine bestimmte Form der Bildung von GN vor und geben damit eigentlich eine Regel für die Bildung von neuen Wörtern. Daher ist auch auf die Frage, welche Regeln der Wortbildung bei GN gelten, kurz einzugehen. 2.1 Bedeutung von GN als Komposita Die Wortbildung hat im Deutschen wie auch in anderen Sprachen ihre eigene Logik, mit der die Bedeutung der durch Ableitung gebildeten Wörter festge- legt wird. Diese verdient es, beachtet zu werden. Das gilt auch für die Kompo- sita mit ,,-Sprache". Adjektiva vom Typ ,,Englisch" oder ,,Spanisch" sind von Ländernamen abgeleitete, attributive Adjektive, die der näheren Bestimmung von Substantiven dienen. Die Beziehung zwischen Zugehörigkeit eines Sach- verhalts zu einem anderen kann im Deutschen in verschiedenen Formen zum Ausdruck gebracht werden, bei Sprachen z.B. in der Form: Englisch ­ Engli- sche Sprache ­ Sprache der Engländer ­ Sprache Englands ­ Sprache von England ­ die in England gesprochene Sprache (vielleicht auch England- Sprache?). Bei diesen Varianten wird in der Regel auf den geographischen BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5 635
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