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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 37.2003 (Rights reserved)

THEMEN Altes Buch derländische Bucheinbände des 18. Jahrhunderts, mit dem die wissenschaftli- che Tagung eingeleitet wurde. Zahlreiche Dias stellten die prächtigen Präsen- tations- und Widmungsbände vor, die eine Spezialität der Niederlande sind. Es sind etwa 200 Buchbinder-Werkstätten in 40 Orten identifiziert. Die wich- tigste Stadt für die Herstellung von Einbänden war Amsterdam. Die reichen Handelsherren wollten mit ihren Büchern repräsentieren und scheuten keine Kosten für eine überaus teure und aufwendige Ausstattung (Beschläge, Sil- bereinbände, koloriertes Pergament, durchbrochenes Maroquinleder, Gobe- linstickerei). Besonders beliebt waren die Einbände aus ,,Haifischleder", in Wahrheit wohl präparierte Eselshaut. Häufig kommt das sogenannte ,,Fore- edge painting" vor, auf dem europäischen Festland sonst eher selten. Unter dieser ursprünglich aus England stammenden Technik versteht man die Be- malung des verschobenen Buchschnitts. Nur wenn das Buch aufgeschlagen ist, ist das Bild erkennbar. Anschließend sprach Dr. Gerhard Mühlinghaus (Frankfurt/Main) über ein The- ma, das den meisten Anwesenden völlig neu gewesen sein dürfte. Es handelt sich dabei um ,,Bucheinbände" im weitesten Sinn: Torahmäntel (Me'il), Hüllen für die Torahrollen. Das Buch der Weisung (Sefer torah), umfassend die 5 Bü- cher Mose, liegt seit der Antike in gleicher Form vor und entspricht dem offiziellen Exemplar der Jerusalemer Tempelbibliothek. Der Text an sich ist selbstverständlich heilig; das gilt aber auch für die materielle Gestalt des Gotteswortes. Beschädigte oder unbrauchbar gewordenen Torahrollen werden daher nicht weggeworfen, sondern feierlich bestattet. Das Material für die Herstellung von Torahrollen unterliegt strengen Richtlinien. Nur Pergament aus der Haut von Hausvieh oder rituell reinen Wildtieren wird verwendet. An- fang und Ende des Pergamentstreifens werden um einen Stab genäht, unten werden runde Scheiben angebracht. Die Rolle wird mit einer Hülle (Me'il) ver- sehen, auch Torahmantel genannt. Eine silberne Torah-Krone (Keter torah) bildet den oberen Abschluss. Durch die Pogrome der Vergangenheit, zuletzt den Holocaust, wurden die synagogalen Textilien weitgehend zerstört. Einige Dias von historischen Torahmänteln konnten jedoch die theoretischen Ausfüh- rungen verdeutlichen. Der Vortrag war ein schönes Beispiel dafür, wie auch eine komplexe und fremde Materie adäquat vermittelt werden kann. Danach hatten die beiden veranstaltenden Vereinigungen Gelegenheit, sich und ihre Ziele dem Gremium vorzustellen. Dr. André J. Geurts (Almere) gab einen Überblick über die Belgisch-Nederlands Bandengenootschap. Sie wurde 1984 in Nijmegen gegründet. Ihre Mitglieder sind Personen verschiedener Hintergründe und Profession, die sich mit dem Bucheinband beschäftigen. Die Forschungsarbeit ist, wie schon der Name sagt, grenzüberschreitend. Das Sekretariat befindet sich in der Koninklijke Bibliotheek Den Haag. Ziele sind: die Förderung der Kenntnisse über den Bucheinband durch Tagungen und 26 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 1
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