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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 36.2002 (Rights reserved)

Beruf THEMEN einer Analyse, bekommt man leicht den Eindruck, dass es äußerst selten be- nutzt wurde. Vielleicht ist der Eindruck mangelnder Nutzung auch falsch, weil jede Führungskraft schon ein Privatexemplar dieses Werkes auf dem Nacht- kästchen liegen hat. Die Inhalte der Medien sind faszinierend. Sich mit ihnen zu beschäftigen ist kreative Arbeit. Ein gewisser Mindestanteil an kreativer Arbeit am gesamten Tätigkeitsspektrum trägt zu höherer Arbeitszufriedenheit bei. Aber man kann aus arbeitsökologischen und organisatorischen Gründen nicht permanent kre- ativ sein. Die persönliche Arbeitsökologie macht es notwendig, zwischen Kreativität und Routinetätigkeiten eine Balance zu finden. Die organisatorische Effizienz macht es notwendig, dass der wissenschaftli- che Bibliothekar den ganzen Geschäftsprozess in der Potenzialphase der Dienstleistungsproduktion begleitet, bis die Medieneinheit zur Nutzung bereit steht: Bestellung, Inventarisierung, Katalogisierung, Sacherschließung im Prinzip an einem Arbeitsplatz. Man kann also das Prinzip des ,,one-stop- shopping" ziemlich weit treiben, ohne daraus eine gestalterische Obsession zu machen. Ein integriertes Bibliothekssystem lädt zu dieser Gestaltung der Geschäftspro- zesse ein. Der wissenschaftliche Bibliothekar arbeitet mit einer Technologie. Er muss in der Lage sein, alle basalen Operationen auszuführen, d. h. Gene- ralist sein in Bezug auf den Geschäftsprozess. Das schließt Spezialisierungen nicht aus. Die Diversität der Medieneinheiten und die Komplexität der Regel- werke fordert die Ausbildung von Spezialkompetenz förmlich heraus. Nicht jeder muss komplizierte Körperschaften ansetzen oder ,,ekelhafte" Reihenwer- ke aufnehmen können. Der wissenschaftliche Bibliothekar als Generalist für den Geschäftsprozess ist in der Situation eines praktischen Arztes. Er muss sich von den Patienten in seinem Wartezimmer überraschen lassen. Er sollte ein guter Diagnostiker sein. Er sollte wissen, was er kann. Übersteigt der ,,Geschäftsfall" seine dia- gnostische und therapeutische Kompetenz, wird er den ,,Patienten" an den Facharzt überweisen. Bücher als ,,Patienten" hätten an sich den Vorteil, dass sie nicht ungeduldig werden. Verärgert und vielleicht lästig werden aber die Benutzer, wenn sie sechs Monate nach ihrem Erstkontakt mit den Katalogda- ten noch immer ,,In Bearbeitung" sehen. Eine wichtige Aufgabe des Bibliotheksmanagements besteht darin, sich in die- sen Prozess ,,einzuloggen". Der Bibliotheksmanager sollte nicht über dem Geschäftsprozess ,,thronen" und lediglich von der Kommandobrücke aus beo- bachten, wie die Wissensarbeiter durch die Informationsflut rudern und an den vielen Medieneinheiten zu kentern drohen. Das ,,log-in" erfordert einen ,,new BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 12 1699
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