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Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue36.2002 (Rights reserved)

THEMEN Beruf chen Disziplin. Die Wissenschaftler sind seine Prinzipale, er ist der Agent. Weder ist der wissenschaftliche Bibliothekar ein ,,Knecht", noch sollte er durch extrem rigide Vertragskonstruktionen in seiner kreativen Arbeit eingeschränkt werden. ,,Knechte" haben zu wenig Selbstbewusstsein, um wirklich vorausei- lend dienstleistungsorientiert agieren zu können. Sie sind nur auf Gehorsam programmiert. Sie brauchen die Dienstanweisung, können und wollen aber keine (auch keine geheimen) Literaturwünsche erahnen. Hinter einem dichten Netz an Vorschriften steckt die ,,Maschinenmetapher", die den wissenschaftli- chen Bibliothekar zum maschinenartigen Ausführungsorgan disparater Kun- denwünsche degradiert. Den notwendigen Bewegungsspielraum für kreative bibliothekarische Arbeit gewährleistet nur eine lange Leine. Der Wertschöpfungsbeitrag hat, konkret gesprochen, drei Dimensionen: Markt-beobachtung, Akquisition und Informationsarbeit. Marktbeobachtung bedeutet beobachten, was auf den Markt kommt, also pub- liziert wird, und darüber hinaus beurteilen, was davon für die eigene Institution von Relevanz ist. Die finanziellen Mittel sind zu knapp, um alles Relevante zu beschaffen oder den Zugang zum ganzen relevanten Wissen der Welt zu er- möglichen. Man muss auswählen. Daher zeigt sich in der Selektivität von Erwerbungsentscheidungen auch die Qualität bibliothekarischer Arbeit. Die Qualität zeigt sich nicht unbedingt in der Zahl der Items im Katalog oder in der Anzahl der Datenbanken im CD-ROM- Netz oder in der Anzahl der Zugänge zu elektronischen Zeitschriften. Selekti- vität kostet zwar jetzt Zeit und Geld, aber sie rechnet sich wegen ihres kumu- lativen Charakters langfristig. Sie ist in der Informationsflut ohnehin eine Über- lebensnotwendigkeit. Um Selektivität praktizieren zu können, benötigt der wissenschaftliche Biblio- thekar ein Wissen über die Inhalte der Medien. Die Beurteilung von Relevanz und Validität der Inhalte ist eine ganz entscheidende Voraussetzungen für ei- ne vernünftige Erwerbungspolitik. Der wissenschaftliche Bibliothekar muss auch für die Beschaffung der Medien bzw. für den Zugang zu den elektronischen Formaten sorgen. Traditioneller- weise sorgt er nur für den Beschaffungsimpuls. Das nennt man Vorakzession. In großen bibliothekarischen Einrichtungen, die extrem arbeitsteilig organisiert sind, muss der wissenschaftliche Bibliothekar meistens darauf warten, was mit seinen Beschaffungsimpulsen geschieht. Es kann ihm passieren, dass die vorgesetzte Stelle nach dem ,,Lotto-Prinzip" vorgeht: Von 45 vorgeschlagenen, ,,handverlesenen" Titeln wird eine Zufallsauswahl von sechs Titeln gestrichen. Es könnten die wichtigsten Titel gewesen sein. Schließlich leistet der wissenschaftliche Bibliothekar durch Katalogisierung und Sachererschließung Informationsarbeit. Er schafft informationellen Mehr- 1692 BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 12
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