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Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 36.2002 (Rights reserved)

Digitale Bibliothek THEMEN schenden und Publizierenden in direkter Abhängigkeit von Bemessungsfakto- ren dieses Ranking-Systems definiert bleiben. Die hier angedeuteten elementaren Widersprüche sind in jüngster Vergan- genheit auf politischer Ebene (und dort insbesondere in Verlautbarungen und Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz und des Wissenschaftsrates) klar thematisiert worden und dabei sind politische Positionen formuliert wor- den, die grundsätzlich mit den auch in GAP verfolgten Zielen konvergieren. Sehr viel wird davon abhängen, inwieweit diese politischen Aussagen nicht reine Lippenbekenntnisse bleiben, sondern ihnen im forschungspolitischen Bereich, aber auch konkret in deutschen Hochschulen, konsequent Taten fol- gen. Dies betrifft weite Bereiche der Publikations- und Forschungsförderung, aber auch beispielsweise die Berufungs- und Evaluierungspraxis der Hoch- schulen sowie die Erwerbungspolitik der Hochschulbibliotheken. Weit folgenreicher für die Erfolgsaussichten von GAP wie auch vieler ver- wandter Initiativen und Projekte jedoch wird das zukünftige Verhalten der wis- senschaftlichen Informationsproduzenten, der Autoren wissenschaftlicher Publikationen und der Mitglieder einflussreicher Herausgebergremien sein. Nur wenn diese klar realisieren, dass ein Publikations- und Kommunikations- modell, welches primär durch den kommerziell definierten Warencharakter wissenschaftlicher Ergebnisse geprägt ist, bei konsequenter Betrachtung den Grundinteressen des Wissenschaftsbetriebes zuwiderläuft, werden sie (viel- leicht) bereit sein, alternative kooperative Infrastrukturen zu nutzen und zu un- terstützen, und zwar durchaus auch unter Preisgabe der punktuellen persönli- chen Vorteile, die sich aus dem bislang beherrschenden Modell von Fall zu Fall ziehen lassen. Zugleich muss noch erheblich klarer als in der Vergangenheit herausgearbeitet werden, dass die derzeit gängigen Methoden der Bestimmung des wissenschaft- lichen ,`Impact' keineswegs konkurrenzlos sind und damit auch nicht gleichsam als Fatum akzeptiert werden müssen. Allen Beteiligten muss deutlich werden, inwieweit alternative und innovative Veröffentlichungs- und Begutachtungsver- fahren (wie etwa im ,`public peer reviewing') das Potential sogar noch für eine massiv gesteigerte Verbreitung sowie für eine nachhaltige und öffentlich kontrol- lierbare Verstärkung der als ,`Impact' gemessenen Wirkung wissenschaftlicher Aktivität in sich tragen. Es handelt sich keineswegs nur um ,`low budget ­ low profile'-Alternativen zu den etablierten Veröffentlichungs- und Bewertungsverfah- ren, sondern um Ansätze für die nachhaltige Qualitätsverbesserung und demo- kratische Kontrollierbarkeit der darauf bezogenen Verfahren! Und diese wieder- um haben eben zur Voraussetzung, dass die Kontrolle der Zugangswege zu wissenschaftlicher Information sowie der Verfahren für Selektion und Qualitäts- sicherung nicht so einseitig und ausschließlich aus der kommerziellen Verwer- tungsperspektive bestimmt ist, wie dies gegenwärtig der Fall ist. BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 7 871
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