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Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 36.2002 (Rights reserved)

THEMEN Erwerbung kraft des Etats von 1991). Es entsteht der Eindruck: Den Bibliotheken werden reguläre Etatmittel vorenthalten, um diese ­ allerdings nur zum Teil ­ in der Form von Sondermitteln politisch wirksam wieder zuzuweisen. Insgesamt ein Geschäft zu Lasten der Bibliotheken und ihrer Nutzer. Beschleunigter Preisanstieg durch Zuweisung von Sondermitteln Die regelmäßige, teilweise Schließung der Finanzierungslücken durch zusätz- liche Mittelzuweisung hat mitverursacht, dass die Preissteigerung für wissen- schaftliche Literatur ­ vor allem der Zeitschriften ­ in den letzten Jahrzehnten deutlich über der allgemeinen Preissteigerung lag. Die regelmäßige Ankündi- gung, dass in großem Umfang Zeitschriften abbestellt werden müssten, ohne dass diesen Ankündigungen Taten folgen, da die Ankündigungen wunschge- mäß dazu führen, dass die Finanzierungslücken wenigstens zum Teil ge- schlossen werden, scheint zur Folge zu haben, dass die Verlage als Anbieter keine Notwendigkeit sehen, bei der Preisgestaltung auf die Nachfrage Rück- sicht zu nehmen. Meist kompensieren die Abbestellungen nur einen Teil der durch die Preiserhöhungen erzielten Mehreinnahmen bei den Verlagen. Der Umsatz steigt also trotz Abbestellungen, möglicherweise steigt der Umsatz sogar stärker als die allgemeine Preissteigerung. Die Folge für einen gut organisierten Verlag ist eine Gewinnsteigerung. Das über Jahre so verfestigte Verhaltensmuster im wissenschaftlichen Publikati- onswesen wirkt möglicherweise als öffentliche Aufforderung an die Produzen- ten, ihre Gewinne zu Lasten der Wissenschaftsfinanzierung stetig zu erhöhen. Wenn Bibliotheken dann noch ankündigen, die gesamte Produktion eines in der Gewinnmaximierung besonders erfolgreichen Verlages abzubestellen, tat- sächlich aber mit zusätzlichen Mitteln alle gerade abbestellten Zeitschriftentitel wieder eingekauft werden, besteht für den betroffenen Verlag keine Veranlas- sung, seine Preisgestaltung zu überdenken. Die tatsächlichen Mittelkürzungen führen dann zur Reduzierung der Monographienbeschaffung. Inzwischen sind allerdings die laufend steigenden Ausgaben für die Literatur- finanzierung und vor allem die stetig überproportional steigenden Preise für wissenschaftliche Literatur besonders in den Naturwissenschaften auch für die Öffentlichkeit erkennbar und zu einem öffentlichen Ärgernis geworden. Ebenso ist die Diskrepanz zwischen den Anforderungen an die Bibliotheken und die mit den verfügbaren Mitteln realisierbare Literaturversorgung inzwi- schen so groß geworden, dass diese Lücke mit regelmäßig erfolgenden Son- derzuweisungen zentraler Mittel nicht mehr geschlossen werden kann. Inzwi- schen ist der Neuzugang an Büchern und die Anzahl der Zeitschriftentitel der einzelnen Universitäten so geschrumpft, dass man davon ausgehen kann, dass in jeder Bibliothek viele wichtige Titel fehlen, während die Umsätze und 730 BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 6
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