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Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 36.2002 (Rights reserved)

Erwerbung THEMEN · verhindert den optimalen Einsatz der Mittel für Wissenschaft, · hilft, die Rolle der Wissenschaftler im Publikationsprozess und der daraus folgenden Auswirkungen für die Literaturpreise zu verschleiern und · führt zur Verfälschung wissenschaftlicher Bewertungskriterien. Nachfolgend sollen diese Aspekte vertieft werden. Der politische Vorteil von Sondermitteln Es ist inzwischen ein gut eingespieltes Ritual, dass die Universitätsbibliothe- ken in der Zwangslage zwischen nicht ausreichender Mittelausstattung und wachsenden Ansprüchen ihrer Kunden alljährlich darlegen, dass mit den zu- gewiesenen Mitteln die Literaturversorgung eingeschränkt werden muss. Sie kündigen an, dass ohne zusätzliche Mittelbereitstellung Zeitschriften abbe- stellt werden müssen und/oder kaum noch Monographien eingekauft werden können. Dies mobilisiert Vertreter der Wissenschaft, die an die ,,Politik" die Forderung stellen, die ,,Wissenschaft" ausreichend mit Mittel auszustatten. Da eine Erhöhung der vom Ministerium und der Universität im normalen Haushalt zur Verfügung gestellten Mittel in der Höhe der Preissteigerungen politisch nicht durchsetzbar ist, die ,,Wissenschaft" andererseits aber in der öffentlichen Meinung sich so zu Gehör bringen kann, dass die ,,Politik" dies nicht überge- hen kann, werden regelmäßig in Zusammenarbeit von Ministerium und den verantwortlichen Politikern Sonderprogramme aufgelegt, um den Bibliotheken zusätzliche Mittel zuzuweisen mit diesen Folgen: · Die Löcher in den Literaturetats können notdürftig gestopft werden und die angekündigten Einschränkungen der Literaturversorgung fallen geringer aus. · Politiker können damit das Eingeständnis, dass die Mittelausstattung für die zugewiesene Aufgabe nicht ausreicht, vermeiden. · Die Auseinandersetzung mit der Wissenschaft, welche Mittel für die Auf- gabenerfüllung erforderlich sind, wird vermieden. · Die Entwicklung von Sonderprogrammen mit politisch gut verkäuflicher Zweckbestimmung kann ­ vor allem in Wahljahren ­ politisch sehr förder- lich sein. Andererseits haben die Sondermittel nie ausgereicht, die Defizite tatsächlich auszugleichen. In den meisten Jahren waren die Sondermittel geringer als die im regulären Etat vorgenommenen Kürzungen des Literaturetats, so dass den Bibliotheken trotz Sondermittel nicht nur real sondern auch nominal weniger zur Verfügung stand als im Jahr zuvor. Der Kaufkraftverlust konnte auf diese Weise nie aufgefangen werden. (Beispielsweise betrug die Kaufkraft des Lite- raturetats der Universität Konstanz im Jahre 2001 noch etwa 55% der Kauf- BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 6 729
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