Path:
Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue36.2002 (Rights reserved)

THEMEN Erwerbung Literaturfinanzierung durch zentrale Mittel Adalbert Kirchgäßner Die wissenschaftlichen Bibliotheken haben die Aufgabe, die Institutionen, de- nen sie zugeordnet sind, mit Literatur zu versorgen. Verschiedene Entwick- lungen, darunter auch die Professionalisierung dieser Aufgabe, führte in den Universitäten dazu, dass die zentralen Universitätsbibliotheken ein von der Wissenschaft relativ unabhängiges Eigenleben entwickelten. Sie nutzten die ihnen zur Literaturversorgung zugewiesenen Gelder, um eine langfristige und zuverlässige, von den kurzfristig wechselnden Interessen wechselnder Wis- senschaftler relativ unabhängige Literatur- und Informationsversorgung aufzu- bauen. In dem Maße, wie diese Aufgabe verselbständigt wurde, veränderte sich auch das Verhältnis der Wissenschaftler zu ,,ihrer" Bibliothek: Die Biblio- thek wurde zunehmend zu einer Institution, an die die Wissenschaftler An- sprüche stellen, während sie sich wenig dafür interessieren, wie diese An- sprüche erfüllt werden können und ob die dazu erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen. In der Folge wird die Universitätsbibliothek oftmals als eine Institution empfunden, die einerseits universitäre Mittel in großem Umfang bindet, die man mindestens zu Teilen ,,besser für die direkte wissenschaftliche Arbeit" einsetzen könnte. Andererseits wird die Literaturversorgung durch die Bibliothek als unzureichend empfunden, da nicht alle Literatur- und Informati- onswünsche erfüllt werden können. Die Einschätzung der unzureichenden Er- füllung der Aufgaben beruht vor allem auf der Unkenntnis der heutigen Markt- bedingungen für wissenschaftliche Literatur, da die Nutzer kaum Kenntnis von den Zwängen der und Möglichkeiten zur Literaturbeschaffung mit einem ge- gebenen Etat und den Entwicklungen der Preise für wissenschaftliche Litera- tur im Verhältnis zu der Entwicklung der Literaturetats haben. Die Universitätsbibliotheken, die sich in dieser Zwangslage befinden, haben deshalb immer wieder und vielfach erfolgreich versucht, zusätzliche Mittel von den Ministerien als den etatzuweisenden Stellen zu bekommen, um die stän- dig aufbrechende Lücke zwischen Preiserhöhungen und Etatentwicklung zu schließen. In diesem Bemühen wurden sie auch vielfach von den Universitäts- leitungen unterstützt, weil diese bei Zuweisung zentraler Mittel für die Universi- tätsbibliotheken den eigenen Etat schonen konnten. Diese Entwicklung hat für die Bibliotheken wie für die Wissenschaft problematische Folgen: Die Zuweisung von Sondermitteln · hat für die Politiker Vorteile, · beschleunigt den Preisanstieg für wissenschaftliche Literatur, · beeinträchtigt die Qualität der Literaturbeschaffung, 728 BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 6
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.