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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 36.2002 (Rights reserved)

Erschließung THEMEN Heiliger Joseph! Zu einem Kardinalschreibfehler in deutschen Bibliotheks- katalogen (falscher *Guiseppe statt richtigem Giuseppe) Ulrike Hollender Im letzten Jahrgang des BIBLIOTHEKSDIENST (H. 7/8, S. 868-876) wunderte sich Henning Klauß, dass Tippfehler in Bibliothekskatalogen bisher nur selten Gegenstand bibliothe- karischer Diskussion gewesen seien. Der folgende Appell zur Korrektur und künftigen Vermeidung eines massenhaft auftretenden Buchstabendrehers versteht sich als ein solcher praxisbezogener Beitrag. In schätzungsweise jedem vierten deutschen Zeitungsartikel und Internet- Dokument, in dem der italienische Vorname Giuseppe enthalten ist, taucht der Fehler auf, sei nun die Rede von Verdi, Arcimboldo oder Garibaldi: Giuseppe wird falsch geschrieben, nämlich als *Guiseppe, als handele sich um eine Va- riante von Guido, was dem deutschen Auge offensichtlich vertrauter ist. Be- merkenswert ist, dass die Buchstaben ,,i" und ,,u" auf der Tastatur direkt ne- beneinander liegen, was der Tippfehleranfälligkeit Vorschub leistet. Lässt man die Internet-Suchmaschine Google ,,Seiten auf deutsch" absuchen, findet sie 61.500 Giuseppes und 15.200 *Guiseppes (über 25%). Google ist übrigens seit neuestem so ,,intelligent", bei der falschen Eingabe zu fragen: ,,Meinten Sie Giuseppe?". Schränkt man die Suchmaschine auf italienisch-sprachige Seiten ein, sinkt der Anteil der falschen Schreibweise auf 0,54 % (426.000 richtige gegen 2.330 falsche). Bei genauerem Hinsehen tauchen die meisten der Falschschreibungen bei offenbar amerikanischen dot-com-Seiten auf, die italienische Genealogien aufschlüsseln. Die genuin aus Italien stammenden Seiten weisen nur in den allerwenigsten Fällen den Fehler auf. Dieses Phänomen fiel mir als Romanistin zunächst auf, dann störte es mich, später belustigte es mich beinahe und schließlich wurde die Suche danach fast zum Spiel. Unter bibliothekarischen Gesichtspunkten ist der Fehler ein Ärgernis, hat sich doch diese falsche Schreibweise massenhaft in bibliotheka- rische Datenbanken eingeschlichen. Als ich schon vor Jahren eine Düsseldor- fer Diplombibliothekarin darauf ansprach, widersprach diese und behauptete, es gebe sehr wohl den Namen in der Schreibweise *Guiseppe neben der ­ vielleicht üblicheren ­ Form Giuseppe. Und tatsächlich findet sich die falsche Form in manchen Vornamenbüchern ­ so oft schon wurde der Fehler tradiert, dass er jetzt schon legitimiert erscheint. Schlägt man hingegen in italienischen Vornamenbüchern nach, zeigt sich, dass man hier vergeblich nach *Guiseppe BIBLIOTHEKSDIENST 36. Jg. (2002), H. 4 465
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