Path:
Volume

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

Recht THEMEN in Bibliotheksfragen. Direkte Folge der Vorgesetzteneigenschaft in Biblio- theksfragen für den Bibliotheksdirektor im mehrschichtigen Bibliothekssystem ist seine Befugnis, jegliche Art von bibliotheksfachlichen Weisungen zu ertei- len, seien es Richtlinien oder Einzelweisungen. Sofern die Bibliotheksmitarbei- ter im Fachbereich nicht nur für Bibliotheksarbeiten eingesetzt werden, unter- liegen sie im Hinblick auf sonstige Aufgaben dem fachlichen Weisungsrecht der Fachbereichsleitung. Insofern hätten Fachbereichsleiter und Bibliotheksleiter die Funktion von Konvorgesetzten über die Bibliotheksmitarbeiter/Sachbearbeiter. Die rechtliche Konstruktion einer Vorgesetzteneigenschaft des Bibliotheksdi- rektors im mehrschichtigen Bibliothekssystem entspricht der Realität des Bib- liotheksbetriebs besser als die Figur des Weisungsberechtigten, einer Kon- struktion, die bisher nur auf Einzelfälle angewandt wurde, in denen die Bindungswirkung von Einzelweisungen zu legitimieren waren. Dem Biblio- theksleiter muss aber ­ gerade zum Zwecke der Koordination des Biblio- thekssystems ­ das Recht zustehen, Richtlinien vorzugeben. ,,Diener zweier Herren" zu sein,54 ist für den Bibliotheksmitarbeiter ebensowe- nig eine leichte Aufgabe wie für den Bibliotheksdirektor, ,,halber Herr" zu sein. Aber genau diese Lösung intendiert das Gesetz, das Kooperation vorschreibt: Von allen Beteiligten wird viel diplomatisches Geschick im Umgang miteinan- der verlangt; das Beharren auf Rechtspositionen, so notwendig deren Klärung ist, verhärtet die Fronten. Das sachliche Weisungsrecht des Bibliotheksdirek- tors ist ein notwendiges Instrument, aber es sollte ultima ratio bleiben. Die um- fassendste, im Jahr 2000 novellierte, landesgesetzliche Regelung der Fach- aufsicht, § 30 IV Universitätsgesetz Baden-Württemberg 1995, wies hier einen Weg, der allerdings von der Praxis als unpraktikabel55 und unrealistisch56 bezeichnet worden ist. Die ,,Dienstweglösung" des Gesetzes schließt zwar die Möglichkeit aus, dem Bibliothekspersonal unter Umgehung des Leiters der Einrichtung, an der das Bibliothekspersonal tätig ist, unmittelbar Weisungen zu erteilen, hat aber andererseits den Vorteil der Transparenz: Auch die Fachbereichsleitung ist direkt darüber informiert, wozu ihre Bibliothek ange- wiesen wird. Diese prozedurale Vorschrift ändert nichts am Inhalt der Wei- sung: Auch die Fachbereichsleitung ist inhaltlich an die Weisung der Biblio- theksleitung gebunden. Die Neufassung, § 30 III 2 Universitätsgesetz Baden- Württemberg 2000, erwähnt die Fachbereichsleitung nicht mehr, sondern be- stimmt, dass die Fachaufsicht des Bibliotheksdirektors über das Bibliotheks- 54 Gattermann: (s. FN 10) S. 914 spricht von iDoppelunterstellung,,, die leicht Anlass zu Konflikten gebe. 55 Böhm/Paschek: (s. FN 48) S. 280. 56 Kehr: zitiert bei Böhm/Paschek: (s. FN 48) S. 281. BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 10 1379
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.