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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

THEMEN Ausland NYT das erste Telegramm auf diesem neuen Übermittlungskanal. Damit war für die USA, zumindest psychologisch, auch der engere Kontakt zu Europa hergestellt, was die Zeitung veranlasste, im selben Jahr eine Zusammenarbeit mit der Londoner ,,Times" einzugehen, um schnell die Nachrichten aus Europa zu erhalten. Im 1. Weltkrieg beschäftigte das Blatt die größte Zahl an Aus- landskorrespondenten aller amerikanische Zeitungen und brachte daher mehr und bessere Meldungen als alle Konkurrenten. Die Rede, die Präsident Woodrow Wilson im April 1917 vor dem Kongress hielt, - er wollte die Parla- mentarier auf den Kriegseintritt des Landes gegen Deutschland vorbereiten - brachte die NYT im Wortlaut auf der Titelseite. Sie schlug damit einen Kurs ein, der ihr eine weitere Prestigesteigerung einbrachte: Sie wurde zu einem ,,paper of record", die sich die vollständige und wahrheitsgetreue Wiedergabe regierungsamtlicher und politischer Meldungen sowie der Texte von bedeu- tenden Reden und Dokumenten zur Pflicht machte. Als die USA 1917 in den Krieg eintraten, bekam die Verlegerfamilie wie die Redakteure aber auch den Unmut der Bevölkerung zu spüren, der den Deutsch-Amerikanern entgegen schlug, da man ihre Loyalität mit Amerika anzweifelte. 1918 war die Auflage auf 370.000 Exemplare angestiegen. Mitten im Manhat- tan breitete sich das Unternehmen mit seinen Redaktionen und Druckbetrie- ben um den Times Square aus. In den 20er Jahren schien sich das wirtschaft- liche Geschehen nur positiv entwickeln zu können, und die NYT prosperierte gleichfalls. Um so größer war der Schock nach dem Börsencrash des Jahres 1929. Die Umsätze gingen spürbar zurück, doch der Verleger blieb ein An- hänger der freien Wirtschaftsordnung. Als Präsident Roosevelt zur Belebung der Wirtschaft und zwecks Reduzierung der Arbeitslosigkeit den ,,New Deal" einführte, gehörte die NYT zu den lautstärksten Opponenten dieser Politik. Als Adolph Ochs 1935 starb, flaggte die New Yorker City auf halbmast und würdigte damit die Verdienste eines der bedeutendsten Pressezaren der USA. Ihm folgte sein Schwiegersohn Arthur Hays Sulzberger als Präsident der Fir- ma. Der Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns hatte 1917 Iphigene geheira- tet, die einzige Tochter des Patriarchen, und sich seit den 20er Jahren in der Zeitung ,,nützlich gemacht". Als er die Geschäftsführung übernahm, erreichte die Auflage wochentags 465.000 und sonntags 715.000 Exemplare. Wie sein Schwiegervater war auch Sulzberger von der technischen Seite des Nachrich- tengeschäfts angetan, und er regte an, vermehrt Fotos in das Blatt aufzuneh- men. Die intensive ,,Bilder-Politik" der NYT geschah aber als evolutionärer Prozess, den viel Leser kaum bemerkten. Eine neue Seite an Gründlichkeit und Vielseitigkeit schlug die Redaktion mit Eintritt Amerikas in den 2. Welt- krieg auf, als das Blatt an den verschiedenen Kampfabschnitten Reporter vor Ort hatte, insgesamt fast 500 US-Korrespondenten. Die umfangreichste Re- portage brachte das Blatt im August 1945. Sie widmete dem Pearl-Harbor- 1476 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 11
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