Path:
Volume

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

THEMEN Ausland hatte, von der Seife bis zum Zucker - als besonders gelungene Einführung dieser Bibliothek herausgestellt. Auch die Methode des ISTIC Institutes of Scientific and Technical Information of China in Peking mit seinem Netzwerk von über 200 Zweigstellen und seinen wichtigen Funktionen in einem sich zu- nehmend in China herausbildenden Informationsmarkt mag zu denken geben, da nur noch ein Teil der Mittel vom Staat zur Verfügung gestellt wird (eine Schale Reis als Äquivalent für ca. 60%), aber die restlichen 40% hinzu ver- dient werden müssen. Auch dieses mag mit der Forderung an die wissen- schaftlichen Institute in Deutschland verglichen werden, deren Förderung zu- nehmend mit der Einwerbung von Drittmitteln gekoppelt wird, oder auch mit der Bibliothekssituation in Großbritannien, deren Etatsituation zunehmend von der Beantragung und Durchführung von Projekten abhängt. Die Stadtbibliothek von Shenzen ­ ein neuartiges Bibliothekskonzept Im Süden des Landes liegt Shenzen, eine in den letzten Jahren ,,boomende Region" in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hongkong. Wie sehr Regionen mit starker Wirtschaftskraft und starken Entwicklungspotenzialen auch ihre Nach- barschaft beeinflussen, kann an Shenzen gut beobachtet werden. Diese Pro- vinzial-Bibliothek zeigte in bester Ausprägung, wie ein klares Bibliothekskon- zept, das die kulturellen Gegebenheiten mit einbezieht und die Bibliothek aktiv als Kultur- und Informationszentrum versteht, bei einer Ausstattung mit ent- sprechenden Mitteln auch lebendige Bibliotheksarbeit verwirklichen kann. Die Bibliothek hatte eine kreative und auch sehr konsequente Leitung, die ver- suchte, chinesische Traditionen mit den Forderungen eines modernen Infor- mationsmarktes zu verbinden. So war es nur gestattet, die Bibliothek in an- gemessener Kleidung zu betreten, d.h. T-Shirt und Jeans waren angemessen aber eben nicht die Badehose, was bei dem Klima in Shenzen verständlich gewesen wäre. Jeder Besucher, den angesichts des rapide sich verschmut- zenden Eingangsbereiches mancher großen Bibliothek in Deutschland Ärger und Kummer überfallen, mag angesichts solcher rigide wirkenden Ordnungen ins Grübeln kommen. Auffallend war auch die Eingangshalle, die wie ein Marktplatz von einer Reihe von ,,Informationsständen" umgeben war. Hier fan- den zahlreiche Veranstaltungen statt. So förderte die Bibliothek den Erwerb von teuren und seltenen Büchern durch reiche Bürger, die diese dann der Bib- liothek zur Verfügung stellten. Sie setzte also bewusst den Patriotismus ihrer Bürger dazu ein, alte kulturelle Traditionen zu beleben und für die Bürger zu nutzen. Neben wirtschaftlichen Impulsen, die von dieser Bibliothek ausgehen sollten (denn auch sie verdiente mit ihren Dienstleistungen), war es ihr ein An- liegen, einen Beitrag zur Diskussion um ,,Kultur und Erziehung" zu leisten. Da- bei spielte die Neubelebung konfuzianischer Ideen eine große Rolle. Ihre Dienstleistungen hatte sie auf die Bedürfnisse der Bürger ausgerichtet: Der 1290 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 10
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.