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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

Ausland THEMEN beiteten Gelehrte, die weit über Deutschland hinaus sowie auch in China be- kannt und berühmt waren.11 In diesem Bericht forderte der Bibliothekar kon- sequent genügend Zeit für einen solchen Austausch, um den Betrieb und das Land gut kennen zu lernen. Dieses trägt auch dem sozialen und kulturellen Umfeld einer Bibliothek Rechnung. Die Affinität zwischen chinesischer und deutscher Wissenschaft, die Stärkung des auswärtigen Leihverkehrs und da- mit die Stärkung der für diese Zeit wichtigsten internationalen Kooperation der Bibliotheken und besonders die Forderung einer kontinuierlichen Weiterfüh- rung dieser Form des Bibliothekar-Austausches muten sehr modern an. Dies war auch der wichtigste Wunsch des Forschungskataloges, der nach Ablauf dieses Austausches erarbeitet wurde.12 Leider wurde gerade diese Forderung nicht erfüllt. Es ist nicht ersichtlich, ob aus politischen oder aus organisatori- schen/verwaltungstechnischen Gründen, die, wie auch in der Zukunft, die Durchführung eines solchen Aufenthaltes oft verhindert haben. Es kann nicht oft genug betont werden, wie bedauerlich das ist, da gerade Aufenthalte von einiger Dauer in Instituten des wissenschaftlichen und kulturellen Bereiches eine große Chance sind, um Freunde zu erwerben, die an einem echten Kul- turaustausch interessiert sind. Deutschland lebt heute noch von diesen Freundschaften, die sich gerade mit Vertretern der Kultur und Wissenschaft gebildet haben. Dies trifft nicht nur auf China zu, sondern auch auf andere Länder Ost- und Mitteleuropas und Zentral-Asiens. Es dauerte über fünfzig Jahre, bis wieder die ersten Fachaufenthalte mit Chi- na durchgeführt wurden. Auf ausdrücklichen Wunsch der Volksrepublik China an die Abteilung für Auswärtige Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes der Bun- desrepublik Deutschland wurde Mitte der 80er-Jahre eine Bibliothekarin der Nationalbibliothek Peking für einen dreimonatigen Aufenthalt nach Berlin ent- sandt. Die Geschäftsführung der Bibliothekarischen Auslandsstelle war mit der Gestaltung des Programms, das Besuche in einzelnen Bibliotheken und einen festen Arbeitsplatz an der Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußi- scher Kulturbesitz vorsah, und der Betreuung dieser Stipendiatin betraut. Die- ser Aufenthalt zeigte deutlich wie selten die großen Schwierigkeiten, die sich aus der sozialen und kulturellen Situation eines solchen Fachaufenthaltes er- geben können: Die Stipendiatin war verängstigt. Selten ist in der gesamten Praxis der Geschäftsführung der Bibliothekarischen Auslandsstelle eine derar- tig verängstigte Stipendiatin betreut worden. Der Kulturschock, den sie - aus einem geschundenen Land nach der Kulturrevolution in ein damals noch ruhi- 11 Vgl. dazu: 325 Jahre Staatsbibliothek in Berlin. Das Haus und seine Leute. Buch und Ausstellungskatalog. Wiesbaden: Reichert, 1986. 206 S. 12 Weitere Informationen zu diesem ersten deutsch-chinesischen Austausch bei Dr. Hartmut Walravens, Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 10 1285
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