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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue35.2001 (Rights reserved)

THEMEN Ausland Christentum, die Verfolgungen der Missionare und die erzwungene Öffnung Chinas beruhen auf den starken geistig-kulturellen Auseinandersetzungen mit diesem Land und in diesem Land, die viel dramatischer verliefen als ver- gleichsweise mit anderen Ländern.7 Obwohl sich in den Jahren 1935 bis 1945 und darüber hinaus in China die Li- teratur anschickte, eine Waffe im Dienst der Revolution zu werden, ist es be- merkenswert, dass ,,die chinesischen Gelehrten und Wissenschaftler trotz die- ser tragischen Epoche und der äußerst prekären Lebensbedingungen ihre Forschungstätigkeit und ihre Bemühungen um die Entwicklung der wissen- schaftlichen Lehre in China fortgesetzt haben. Diese erstaunliche Wider- standsfähigkeit der zweckfreien Studien inmitten des Chaos und des Elends beruhte zum Teil auf dem belebenden Kontakt zwischen den chinesischen und den westlichen Traditionen und den persönlichen Verbindungen mit den europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern. China verdankt die Be- wahrung seiner wissenschaftlichen Tradition vor allem dem Patriotismus sei- ner Gelehrten und Forscher."8 Es wäre nun wissenschaftsgeschichtlich inte- ressant, sowohl die Entwicklung der im reichen chinesischen Kulturerbe ver- tretenen Traditionen als auch die in Lehre und Forschung auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften aufzuzeigen. Diese Beobachtungen beruhen auf den Erfahrungen solcher Gelehrten, die ihr Studium teilweise in China und teilwei- se im Ausland absolviert hatten (nach 1927 hauptsächlich in den USA).9 In diesen Kontext wollen wir die Entwicklung der deutsch-chinesischen Biblio- theksbeziehungen stellen. Der bibliothekarische Fachaustausch Für einen kurzen Abriss und eine Charakterisierung des bibliothekarischen Fachaustausches allgemein sei auf Simon/Seydelmann10 verwiesen. Einer der ersten Bibliothekare, der an einem solchen Fachaustausch teilnahm, war 1927 ein chinesischer Bibliothekar, der für einen mehrmonatigen Fachaufent- halt an die Staatsbibliothek nach Berlin gekommen war. Es ist nicht verwun- derlich, dass die Staatsbibliothek für einen solchen Aufenthalt ausgesucht wurde, denn sie war nicht nur eine Bibliothek mit reichen Beständen, in ihr ar- 7 vgl. dazu: Spence, Jonathan D. a. a. O. S. 460 ff. 8 Gernet, Jacques: Die chinesische Welt. Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit. Auflage 1988, Frankfurt a. M: (Suhrkamp Taschenbuch; 1505.) S. 547. 9 vgl. dazu Gernet, Jacques a. a. O. S.548 ff. 10 Simon, Elisabeth und Seydelmann, Gertrud: Austausch - Teilhabe - Erfahrung. Bib- liothekarische Auslandsarbeit in den Jahren 1963 - 2000. Berlin: EDBI, 2001. Kap. 4. 1284 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 10
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