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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

THEMEN Politik zu bibliothekarischer Literatur geschrieben11. Vor diesem Hintergrund wird von einem Leitfaden zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes praktische Hilfestellung erwartet. Eins vorweg: Er erfüllt diese (bibliothekarischen) Erwartungen nur sehr bedingt. Mit gut 100 Seiten ist die Handreichung handlich geraten, allerdings bestehen gut zwei Drittel der Broschüre aus Anlagen. Der Haupt- und Textteil zählt lediglich fünf kurze Abschnitte mit insgesamt 25 Seiten12. · Abschnitt 1 trifft Festlegungen zum Umfang und den Grenzen eigenakti- ver Recherchen. · Abschnitt 2 nennt allgemeine Kriterien und Indizien, die als Verdachtsmo- mente und Indikatoren für verfolgungsbedingten Entzug gelten kön- nen. · Abschnitt 3 gibt Hinweise zur Dokumentation von Verfolgungstatbeständen in staatlichen Archiven. · Abschnitt 4 beschreibt das Verfahren, wie positive Rechercheergebnisse über die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste13 in Magdeburg der Öffentlichkeit via Internet zugänglich zu machen wären. · Abschnitt 5 vermittelt juristisches Hintergrundwissen und Prüfraster, mit deren Hilfe über Plausibilität und Legitimität von Rückgabeansprüchen zu entscheiden wäre, sofern statt Rückgabe nicht andere einvernehmliche Lösungsmodelle (z.B. Leihgabe oder Rückkauf) angestrebt werden. Den Bibliothekspraktiker wird vorrangig der zweite Abschnitt interessieren. Er gibt ,,Hinweise zur Auffindung NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgu- tes", nennt Indikatoren, Anhaltspunkte, Verdachtsmomente. Innerhalb der Arbeitsgruppe gab es Stimmen, die der globalen und vollständigen Veröffent- lichung aller Zugänge während der NS-Zeit einer selektiven, aufgrund von Verdachtsmomenten erstellten Liste den Vorzug gaben. Es gäbe z.B. inner- halb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz genügend Beispiele von Erwerbun- gen und Zugängen, die anhand der der Stiftung zugänglichen Akzessionsun- terlagen nie als NS-verfolgungsbedingt hätten eingestuft werden können und worden wären. Insofern berge jede selektive Bestandsüberprüfung in sich das Risiko, sich dem Vorwurf der Kurzsichtigkeit auszusetzen. Für den über- schaubaren Zugang in Museen mag die undifferenzierte Publikation aller 11 Heidtmann, Frank: Wie finde ich bibliothekarische Literatur?. - Berlin 1976. (= Insti- tut für Bibliothekarausbildung der Freien Universität Berlin. Veröffentlichungen. 7) (= Orientierungshilfen. 3.) 12 Vgl. die Pressemitteilung der KMK: Rückgabe von in der NS-Zeit entzogenem Kul- turgut. In: BIBLIOTHEKSDIENST 35 (2001), S. 738ff. 13 http//:www.lostart.de 1144 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 9
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