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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

Bibliotheken THEMEN schaftlicher Literatur zu reagieren. Die Konzentrations- und Monopolisierungs- tendenzen bei den Wissenschaftsverlagen sind ein weiterer Verursacher der Zeitschriftenkrise. Die auf einzelne Verlagsgruppen entfallenden Abonne- 21 mentkosten haben sich in den letzten Jahren beinahe verdreifacht." Investi- tionen in die elektronische Publikationsform zahlen sich verlagsseitig nur be- dingt aus, da die Bibliotheken einen umfassenden Verzicht auf Printausgaben nur sehr zurückhaltend akzeptieren, da sie ihre Archivierungskompetenz nicht an die Verlage abgeben, bzw. sich im Interesse des freien Zugangs ihrer Kundschaft zu Informationen nicht von ihnen abhängig machen wollen. Die Erwartung, dass die elektronischen Zeitschriften zu einer Kostenentlastung führen werden, hat sich bislang nicht bestätigt. Die Kommerzialisierung elekt- ronischer Replikate hat die Finanzkrise im Zeitschriftensektor nicht gelöst, und weder der parallele noch der alternative Bezug von elektronischen Versionen führt zu nennenswerten Preisreduktionen. Die Folge ist, dass in den wissen- schaftlichen Bibliotheken empfindliche Lücken in der Literaturversorgung ent- standen sind. Gefordert wird eine stärkere Einbeziehung der herausgebenden Fachgesell- schaften in den Produktionsprozess. 40% der Zeitschriften mit einer Auflage unter 1000 Exemplaren werden von Fachgesellschaften herausgegeben. Wür- den die Fachgesellschaften nun ihre Publikationen auf eigenen Servern verwalten, so könnte den Konzentrationstendenzen wissenschaftlicher Verla- ge wenigstens teilweise Einhalt geboten werden. Eine Privatinitiative des Phy- sikers Paul Ginsparg an den Los Alamos National Laboratories, Preprints auf einem Server anderen Wissenschaftlern zur Kenntnis zu geben, wird seit 1994 finanziell von der American Physical Society unterstützt. Mit 200 neuen Beiträgen pro Monat und über 120000 Zugriffen pro Tag ist sie eine unver- 22 zichtbare zentrale Datenbank der Physik. Dennoch muss die optimistische Sichtweise Rafael Balls, der den Bibliotheken im Publikationsprozess elektronischer Medien eine aktive und tragende Rolle 23 einräumt hinsichtlich der Zeitschriftenpublikationen mit Skepsis betrachtet werden. Hier ist die Orientierung der Wissenschaftler am Impact-Faktor re- nommierter wissenschaftlicher Zeitschriften und ihr Interesse an einem dauer- haften Nachweis ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu dominant, um auch bei kostengünstigeren Alternativen einer Veröffentlichung auf dem eigenen Hochschulserver positiv gegenüberzustehen. Wissenschaftler werden auch in 21 Bilo, Albert: "Anpassung oder Strukturwandel. Elektronische Publikationen und digi- tale Bibliotheken aus der Sicht bibliothekarischer Praxis", in: Tröger, S. 128 22 http://de.arXiv.org/ E-Print Archive 23 Ball, a.a.O., S. 31 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 9 1043
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