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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue35.2001 (Rights reserved)

THEMEN Bibliotheken vorgelesener, in der Regel gekürzter Text, ein inszeniertes Fragment, viel- leicht ein Hörvergnügen, vielleicht auch nicht, auf keinen Fall aber ist ein Hör- buch ein Buch. Und wer wollte im gegenwärtig noch recht bescheidenen Sor- timent der Hörbücher einen ernst zu nehmenden Ersatz für Vielfalt und Menge der ,,richtigen", der gedruckten Bücher sehen? Zweifellos wird der Hörbuch- Markt weiterhin expandieren, gerade auch deswegen sollte jedoch bei der I- dee, Blinden- und andere Bibliotheken großzügig mit Hörbüchern auszustat- ten, auch an Folgendes gedacht werden: ,,Durch die zunehmende Verfügbar- keit ... von Hörbüchern sinkt die Fähigkeit Blinder zu lesen und damit auch zu schreiben. Hierdurch wird die Integrationsfähigkeit Blinder vor allem im Hin- blick auf ihr Berufsleben gefährdet. Die Integration Blinder in das normale Be- rufsleben geht ... mit guter Lese- und Schreibfähigkeit Hand in Hand." So Manfred Harres von Blista brailletec, Deutschlands einzigem Hersteller von Blindenschrift-Druckmaschinen, dessen besonderer Hinweis auf die Integrati- on Blinder in das Berufsleben unbedingt zu erweitern ist auf ihre Integration in die Gesellschaft insgesamt. III. Ein blindes Kind, das die Punktschrift erlernt, wird als Erwachsener keine Le- seschwierigkeiten haben; bei ausreichender Übung ist es möglich, die erha- benen Punkte mit Sprechgeschwindigkeit zu ertasten. In Braille geprägte Schulbücher sind heute selbstverständlich; die Benachteiligung Blinder wird jedoch deutlich und Teil ihrer alltäglichen Auseinandersetzung mit dem Leben, wenn das Schulbuch seine Aufgabe erfüllt hat. Der Mangel an entsprechend aufbereiteter Literatur für alle Lebensalter und Interessengebiete ist für blinde Menschen schicksalsbestimmend. Dabei gibt es aus technischer Sicht heute keinen Hinderungsgrund mehr, diesen Mangel zu beheben. Ein Problem ist aber auch - neben der grundsätzlich erforderlichen Bereitschaft für solche Un- ternehmungen und deren Finanzierung, die allerdings keine Nebensächlich- keit ist - der für Punktschriftbücher erforderliche Platz. Nehmen wir als Beispiel ein Buch von 600 Seiten im Oktav-Format: In Punktschrift gedruckt wird aus dem handlichen Päckchen Papier ein schwergewichtiges Paket von sechs di- cken Aktenordnern. Oder ein anderes Beispiel: Die Zentralbibliothek für Blinde in Hamburg besitzt 7.000 in Punktschrift gedruckte Titel, die zusammen 30.000 Bände oder 2.500 laufende Meter Bücher ergeben. Oder: Die Deut- sche Blindenbibliothek in Marburg an der Lahn besitzt 12.000 Titel Punkt- schriftliteratur in 70.000 Bänden - es braucht nicht viel Fantasie, um sich die praktischen Schwierigkeiten bei der Handhabung dieser Bücher auszumalen, sei es die Unterbringung, die Verwaltung, der Versand (z. B. beim Leihver- kehr) oder die Unbequemlichkeit, mit denen der blinde Leser sich auseinander zu setzen hat. Apropos Versand: Nicht unerwähnt bleiben soll bei dieser Ge- 844 BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 7/8
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