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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue35.2001 (Rights reserved)

Bestandserhaltung THEMEN gründlich abhelfen können. Hier sind auch die Träger der Bibliotheken, also vor allem die Länder, gefordert. Die Aufgabe, für die entstehende retrospekti- ve digitale Forschungsbibliothek inhaltlich orientierende und nach Gesichts- punkten der Qualität organisierte Zugangswege (s. o.) zu schaffen, sollte ge- meinsam mit der bibliothekarischen Sacherschließung alter Drucke angepackt werden; denn die thematische Erschließung frühneuzeitlicher Texte wirft, gleich ob es um die Indexierung im Detail oder die Erschließung von Büchern im Ganzen geht, dieselben Probleme auf. Die obigen Vorschläge und Forderungen schöpfen die aufgrund der technolo- gischen Entwicklung entstandene neue Agenda der Verwaltung historischer Buchbestände keineswegs aus. Als Beispiele aber mögen sie hier genügen. Die Verpflichtung gegenüber historischen Bibliotheksbeständen Die Pflege historischer Bestände wird heute nicht mehr ohne Begründung Eingang in das Leitbild oder den Leistungskatalog einer Bibliothek finden. In manchen Fällen mag es zur Selbstbehauptung der Rara-Abteilungen ausrei- chen, das traditionelle Selbstverständnis der Bibliothek als Kulturinstitution und Archiv- und Forschungsbibliothek zeitgemäß zu artikulieren. Doch zumin- dest in den allein ihrer Hochschule verantwortlichen Universitätsbibliotheken wird die Konkurrenz zwischen den Nahzielen der lokalen Literatur- und Infor- mationsversorgung und den Fernzielen der Rara-Verwaltung virulent werden. Bei solchen Auseinandersetzungen wird es auf die Dauer wenig nützen, die bestehenden Antinomien zu verschleiern und die Sonderbestände der domi- nanten Konzeption der Bibliothek als lokaler Serviceeinrichtung zu unterwer- fen. Zweckmäßiger und ehrlicher ist es, den Bereich der Sonderbestände als eine 'andere Bibliothek' zu profilieren und dabei auch externe Instanzen ins Feld zu führen. Jede Sammlung alter Drucke - diese Bestandsgruppe soll uns auch hier zur Illustration dienen - muss als Teil der nur als Kompositum existierenden histo- rischen deutschen Nationalbibliothek angesehen werden. Das gilt nicht nur für die Bestände an sich, sondern auch für ihre Erschließung und Bereitstellung. Freilich kann erst eine flächendeckende, leistungsfähige Infrastruktur diesen Zusammenhang evident machen. Zu den notwendigen Bestandsinformatio- nen gehören übrigens auch die bisher vernachlässigten Provenienzangaben. Die von dynastischem Wechsel, Krieg und konfessionell bedingter Migration, von Säkularisation und Konzentration herrührenden Verwerfungen in der Ge- schichte der Büchersammlungen lassen historische Bibliotheken vielfach erst aus solchen Angaben wiedererstehen. BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 4 435
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