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Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 35.2001 (Rights reserved)

Bestandserhaltung THEMEN gefragt; denn die Nutzer aus den verschiedensten historischen Disziplinen verfügen nur noch selten über die Kenntnisse, die für die Ermittlung und um- fassende Auswertung der Dokumente nötig sind. Auch auf diesem Gebiet be- deutet das Wachstum des Informationsangebots eine relative Minderung der individuellen Kompetenz. Ihrer weitgespannten Aufgabe können viele Rara-Abteilungen gegenwärtig nicht so nachkommen, wie es dem aktuellen Stand der Methoden und Stan- dards und dem Aufwand, der vergleichbaren Kulturgütern und wissenschaftli- chen Quellen gewidmet wird, entspräche. Dafür sind mehrere Umstände ver- antwortlich: 1. Die Spezialkenntnisse, die junge Mitarbeiter heute mitbringen, sind im All- gemeinen geringer als noch vor einer Generation, weil in Schule (alte Sprachen!), Universität (Quellenstudium!) und Bibliotheksschule (histori- sche Hilfswissenschaften!) weniger davon vermittelt wird als früher. Umso wichtiger ist es, Bibliothekare in diesem Arbeitsbereich möglichst langfris- tig einzusetzen, damit ihre hier allmählich erworbenen Spezialkenntnisse auch voll zum Tragen kommen. Die in anderen Bibliotheksbereichen zur Verhinderung von Einseitigkeit und Monotonie praktizierte Rotation ist im Bereich der Rarabestände auch deshalb nicht angebracht, weil hier Auf- gaben der Erwerbung, Erhaltung, Erschließung, Benutzung, Reproduktion, Informationsvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit für Vielfalt und Abwechs- lung sorgen. 2. Den meisten Mitarbeitern in Bibliotheken sind die besonderen Anforderun- gen des Umgangs mit Handschriften und alten Drucken nicht mehr ver- traut. Es wird daher immer schwerer, das Erforderliche durchzusetzen, und immer häufiger müssen Versäumnisse und Fehler korrigiert werden. So dauerte es 17 Jahre, bis die neuen 'Regeln für die Alphabetische Kata- logisierung' (RAK, 1977) durch 'Regeln für die Katalogisierung alter Dru- cke' (1994) präzisiert und ergänzt wurden. Während dieser Zeit bestand in der Titelaufnahme alter Drucke große Unsicherheit, was den Arbeitsauf- wand vermehrte und zu Diskrepanzen in den Verbundkatalogen führte. Derselbe Bereich liefert ein weiteres Beispiel: Die von einigen Bibliotheken mit sehr großen Altbeständen allzu hastig durchgezogene Altbestandser- fassung (Katalogkonversion), die vielfach von unerfahrenen Arbeitskräften anhand mangelhafter Kataloge ausgeführt wurde, hat in den Verbundkata- logen ein Chaos hinterlassen, das bei weitem nicht so schnell aufzuräu- men ist, wie es angerichtet wurde. Denn die Bemühungen um Korrektur und Vereinheitlichung der Titelaufnahmen kommen nur langsam voran. In den Benutzungsstellen wird allzu oft nicht mehr beachtet, dass die wert- vollen historischen Bestände mit besonderer Sorgfalt zu behandeln sind. BIBLIOTHEKSDIENST 35. Jg. (2001), H. 4 429
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