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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue32.1998 (Rights reserved)

THEMEN ________________________________ Beruf Neuordnung der Besoldungskriterien? Die Forderung Oehlings nach einer Neugestaltung von Besoldungskriterien zugunsten der Fachreferatsarbeit ergibt sich zwingend aus den bisher disku- tierten Thesen: Wenn der höhere Dienst im wesentlichen ein wissenschaftli- cher Dienst ist, und wenn der Wissenschaftsanspruch in der Fachkompetenz akademischen Studiums begründet liegt, dann stellt die auf dieser Kompetenz ruhende Fachreferatsarbeit den Kern bibliothekarischer Praxis dar und muß auch entsprechend ,,honoriert" werden. Sieht man indes näher hin, so hat der von Oehling propagierte ,,Fachreferent 2000" so viel mehr nicht zu bieten als der klassische Fachreferent, der lediglich erwirbt und erschließt. Das ,,Add On" des neuen Fachreferenten soll primär in seiner Kompetenz im Umgang mit neuen Medien und Informationstechnologien liegen. Genannt werden Benut- zerschulungen für elektronische Datenressourcen, Navigationsangebote an- gesichts der Informationsflut sowie Beratungsleistungen im Felde elektroni- scher Medien. Diese Leistungen gelten jedoch bereits gegenwärtig als selbst- verständliche Aufgaben des Fachreferats und können schwerlich als Mehrlei- stung zur Begründung von Höhergruppierungen herhalten. Und glaubt man ernsthaft, daß Schulungsangebote in Fachdatenbanken und die sachgerechte Gestaltung einer Homepage den Sprung nach A15 legitimieren können? Zu- mindest die ridiküle Formel ,,Fachreferent 2000 = Fachreferent 1900 + aktive Fachinformation" zeigt deutlich, daß Oehlings Thesen hier argumentativ die Luft ausgeht. Mit gleichem Recht ließe sich die Gleichung aufstellen: ,,Schreiner 2000 = Schreiner 1900 + Akku-Schrauber". Überblickt man abschließend die von Oehling vorgetragenen Überlegungen, so wird deutlich, daß ihnen ein diffuses Unbehagen darüber zugrunde liegt, daß die Aufgabe des höheren Dienstes faktisch im kompetenten Management einer zentralen Hochschul-Betriebseinheit mit klarem Serviceauftrag besteht: seine Leistung liegt in der nachfragegerechten, zeiteffizienten und kostenop- timalen Bereitstellung von Informationsressourcen für Lehrende und Studie- rende. In dieser Rolle ist die Bibliothek weit eher einem Betrieb als einer aka- demischen Veranstaltung vergleichbar. Bibliothekarische Arbeit ist zudem unter Bedingungen einer Massenuniversität und knapper Finanzen ein oft weit pragmatischeres Geschäft als der von Jochum prätentiös beschworene ,,Auf- bau eines wissenschaftlichen Standards gehorchenden Bestandes". Die ge- gen die zwölf Thesen vorgebrachten Einwände und Bedenken sollen jedoch auch zeigen, daß die neuen informationstechnologischen und betriebswirt- schaftlichen Herausforderungen die Bibliothek zu einem spannenden, kreati- ven und zukunftsfähigen Arbeitsfeld machen. Unter diesen Voraussetzungen erscheint es durchaus zweifelhaft, ob man den sich abzeichnenden Rückzug des ,,Fachreferenten" mit Tränen begleiten sollte. 692 BIBLIOTHEKSDIENST 32. Jg. (1998), H. 4
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