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Volume Heft 3

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue32.1998 (Rights reserved)

Erschließung _____________________________ THEMEN Verbannen Bibliothekare deutsche Ortsnamen aus ihren Katalogen? Zur Ansetzung ehemals deutscher Orte nach RSWK Friedrich Geißelmann Wolfhart Unte führt seit einiger Zeit einen Kampf um die Ansetzung von Orts- namen aus ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten (die keineswegs nur jen- seits von Oder und Neiße liegen) nach RSWK. Nachdem im Februar 1997 öffentlich um Stellungnahmen gebeten worden war, sandte er der Experten- gruppe RSWK nicht nur seine Stellungnahme zu, sondern veranlaßte auch eine Reihe von Einrichtungen, zu denen er Beziehungen hat und die sich auf ihn bezogen, sich im gleichen Sinne zu äußern. Untes Stellungnahme wurde auf der Sitzung der Expertengruppe vorgetragen, die anderen Stellungnahmen trafen nicht rechtzeitig ein. Die Frage wurde in vielen Verbünden diskutiert; das Verfahren war also öffent- lich und demokratisch. Im Berlin-Brandenburger Verbund war Unte nach mei- ner Kenntnis der einzige Vertreter der bisherigen Regelung. Die Expertengrup- pe entschied mit sehr großer Mehrheit. Seit das Ergebnis im Juni publiziert wurde, versucht Unte, in dieser Frage auf die verschiedenste Weise Druck auszuüben. Zunächst versuchte er, den Bundesminister des Inneren zu veranlassen, ge- gen diesen Beschluß zu intervenieren. Die Expertengruppe, die ein Gremium der öffentlichen Verwaltung sei, habe durch Mißachtung von Richtlinien der Regierung ihre Loyalitätspflicht verletzt. Als nächster Schritt folgte ein Brief des Vorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien an das Kultusministerium eines Bundeslandes mit der Bitte um Überprüfung und dem Hinweis, daß der Vorsitzende der zuständigen Exper- tengruppe Beamter des betreffenden Bundeslandes sei. Beide Ministerien übten sich jedoch in weiser Zurückhaltung. Sicherlich einer- seits, weil ihnen die Kompetenz zum Eingriff in eine föderal strukturierte Ex- pertengruppe fehlt und das fachliche Verfahren ganz einwandfrei war, zum anderen aber auch, weil die Sachlage etwas differenzierter beurteilt wurde denn als ,,Vernichtung deutschen Kulturguts". Es wurde darauf hingewiesen, daß es keine amtliche Richtlinien zur Schreibung solcher Namen gebe. Als nächstes publizierte Unte den oben abgedruckten Text unter der völlig irreführenden Überschrift: ,,Bibliothekare verbannen deutsche Ortsnamen aus ihren Katalogen" in ,,Deutscher Ostdienst. DOD. Informationsdienst des Bun- BlBLIOTHEKSDIENST 32. Jg. (1998), H. 3 503
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